Pogrom in Dörtyol – Provokation Anti-Kurdischer Kräfte

Nach einem Angriff auf türkische Sicherheitskräfte am 26.07.2010, bei der in Dörtyol (Provinz Hatay) vier Polizisten ihr Leben verloren hatten, brachen in dieser Stadt, angeführt durch nationalistische Kräfte, die den „Grauen Wölfen“ nahestehen, mehrere Tage lang andauernde rassistische Pogrome gegen die kurdische Bevölkerung aus.

Die Rassisten forderten die Einwohner auf, türkische Fahnen zu hissen, um Türken von Kurden unterscheiden zu können. Häuser und Geschäfte ohne türkische Fahnen wurden gezielt angegriffen, selbst in Anwesenheit von Polizisten und Soldaten, die nicht einschritten.

Das Parteibüro der prokurdischen „Partei für Frieden und Demokratie“ (BDP) sowie mehr als 50 kurdische Geschäfte waren in diesen Tagen von türkischen Nationalisten mit türkischen Fahnen in der Hand und Parolen wie „Tod den Kurden“ skandierend, niedergebrannt worden.

Nun erklärte der türkische Premierminister, Recep Tayyip Erdogan, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Corum, dass die Vorfälle in Inegöl (Provinz Bursa) sowie in Dörtyol das Werk von „finsteren Kräften“ seien, deren Ziel es sei, einen ethnischen Konflikt zwischen der türkischen und der kurdischen Bevölkerung auszulösen.

Er reihte die Ereignisse von Inegöl und Dörtyol in eine Kette von Geschehnissen wie Corum oder Maras ein, bei der in den 70er Jahren Hunderte von Menschen, mehrheitlich Aleviten, egal welchen Alters oder Geschlechtes vom islamistisch-nationalistisch gesinntem Mob umgebracht wurden. Bei den Ereignissen von Corum und Maras ist mittlerweile belegt, dass bestimmte Kreise innerhalb der Staatsstrukturen diese Angriffe geplant und mitorganisiert hatten.

Auch bei dem Angriff auf die Polizisten in Dörtyol wurde das Fahrzeug eines Stadtratsmitgliedes der „Nationalistischen Bewegungs Partei“ (MHP) benutzt. Dieser erklärte, er wäre auf einer Reise durch eine Landstraße von mehreren Personen angehalten worden, die sein Auto geklaut hätten und ihn außerdem mehrere Stunden festgesetzt hatten. Was aber auch interessant ist, dass das Stadtratsmitglied Bestami Kılıç, dessen Auto bei dem Angriff verwendet worden war, erklärte, dass er kurze Zeit vor der Tat einen Besuch von zwei Männern bekommen hätte, die sich als Geheimdienstmitarbeiter ausgegeben haben.

Was den Verdacht eines im Vorfeld organisierten Pogroms darüber hinaus noch erhärtet, ist die Tatsache, dass der Mob durch einen Unteroffizier der türkischen Armee, Ahmet Büyük, angeführt bzw. angestachelt wurde, was durch Überwachungskameras belegt ist. Als Ahmet Büyük kurzfristig festgenommen wurde, erklärte dieser, Mitglied des türkischen Geheimdienstes zu sein, später offenbarte er sich aber als Angehöriger der türkischen Armee und wurde wieder freigelassen.

Weiterhin wurden kurz nach dem Angriff auf die Polizei und an den darauffolgenden Tagen per SMS, gesteuert durch eine Zentrale, die Einwohner der Stadt einer bewussten Desinformation ausgesetzt, sowie angestachelt, die Kurden umzubringen.

So wurde bekannt, dass am zweiten Tag des Pogroms SMS mit folgenden Inhalten verschickt wurden: „Leyla Zana kommt heute nach Hatay“ oder in „Diyarbakir ist es zu einem Gefecht gekommen : 7 tote Soldaten, 4 aus Hatay“.

All diese Fakten und die Tatsache, dass noch keine wirklichen Verantwortlichen für das Pogrom festgemacht werden konnten, lassen stark vermuten, dass dieses Pogrom von einem Zentrum aus organisiert worden ist. Die Erklärung des türkischen Premiers in diese Richtung bestärkt diesen Gedanken noch mehr.

Text: Umut Bilgic

Quellen :

Zeitschrift Aksiyon (türkisch)

Gazeteport – Nachrichten Portal (türkisch)

Nachrichtensender CNN-Turk (türkisch)

Nadir – Nachrichtenportal (deutsch)

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