Keine Einsicht: Türkei verurteilt Genozid-Denkmal in Australien

Ein Denkmal in Fairfield, einem Vorort von Sydney, das dem Genozid an den Angehörigen der christlichen Assyrer-Aramäer-Chaldäer vor fast einem Jahrhundert gewidmet ist, wurde vom türkischen Außenministerium kritisiert. Dieser Völkermord hat zeitgleich mit dem bekannteren Völkermord an den Armeniern stattgefunden.
„Wir verurteilen die Einweihung eines „Genozid Denkmals“ am 7. August in Fairfield, das die Geschichte verdreht und unser Land beschuldigt“, äußerte sich Ministeriumssprecher Selçuk Ünal schriftlich.
„Wir bedauern, dass sich die Bundesbehörden an dieser Aktion beteiligt haben, was in keiner Weise den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zuträglich ist“, sagte er.

Das Denkmal sei, laut Ünal, ein Ergebnis der Arbeit von Leuten, die „die perfekten Beziehungen zwischen Australien und der Türkei vergiften wollen und versuchen, die Geschichte aus politischem Kalkül neu zu schreiben.“
Dass diese Ansicht in Australien auf Bundesebene unterstützt wird, sei eine „schlimme und inakzeptable Entwicklung“, die besonders für türkische Bürger des Landes enttäuschend ist, fügte Ünal hinzu.
”Wir hoffen, dass die Bundes- und Lokalpolitiker sich der Gefahr bewusst sind, die mit Individuen einhergeht, die darauf abzielen, Hass und Feindschaft zu säen“, sagte er.
Der Sprecher forderte ein Ende dieser politisch motivierten Abneigung, so wie es der Freundschaft zwischen den Türken und Australiern gebühre.

Zwischen 1914 und 1920 wurden in der heutigen Südost-Türkei und der Urmia-Region des nordwestlichen Irak Hunderttausende Assyrer-Aramäer-Chaldäer vom osmanischen Truppen massakriert. Auch protürkische paramilitärische Einheiten von kurdischen Feudalherren waren beteiligt.

Mehr als 2000 Assyrer und Australier nahmen an der Einweihung teil. Das Denkmal wurde von der Assyrian Universal Alliance (AUA) gestiftet und von dem assyrischen Künstler Lewis Batros entworfen. Für die Betroffenen bedeutet die Errichtung des Denkmals einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung der Geschehnisse. Daher ist es umso verwerflicher, dass die Türkei bis heute sowohl den Genozid an den Aramäern als auch den Völkermord an den Assyrern leugnet. Es wird Zeit, dass sich die Türkei der Verantwortung stellt und ihre Verbrechen gesteht und aufarbeitet. Nur so ist eine Versöhnung und ein langfristiger Frieden zwischen den Bevölkerungsgruppen möglich!

Das Denkmal ist nicht das erste seiner Art. Weitere Genozid-Denkmäler stehen in Urmia, Chicago, Los Angeles und Paris.

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Quellen: Hürriet Daily News

Assyrian International News Agency

Eine Berichterstattung des australischen Senders SBS über die Einweihung des Denkmals ist auf Youtube zu sehen.

Text: Nadine Röhrig

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4 Gedanken zu “Keine Einsicht: Türkei verurteilt Genozid-Denkmal in Australien

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