Wasserpolitik: Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance


Immer wieder berichteten wir in diesem Blog über die Bedeutung von Wasser. Sei es gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte, gegen Ilisu oder weil die Lebensumwelt indigener Völker vernichtet wird. Darum las ich mit großer Neugierde das Buh „Wasserpolitik“ von Petra Dobner, das im Suhrkamp-Verlag erschien. Der Verlag beginnt die Buch-Ankündigung mit der Aussage, dass „Sauberes Wasser (..) die Grundvoraussetzung irdischer Existenz (ist), und nichts verdeutlicht die Bedeutung einer öffentlichen Gemeinwohlsicherung stärker als die Frage der Wasserversorgung.“

Zuerst skizziert die Autorin die globale Trinkwasserkrise und spannt den Bogen von „schmutziger Brühe“ hin zum „blauen Gold“, wobei sie die Ursachen und Dimensionen dieser Krise skizziert und als „komplexe Herausforderung an politisches Handeln“ definiert. Diesem ersten Kapitel folgt eine Chronologie der Weltwasserkonferenzen und einer Auseinandersetzung mit der Privatisierungspraxis der 90er Jahre, der eine doch sehr theoretische Auseinandersetzung mit der Global Governance und eine Erinnerung an die Allmende folgt. Hier kommt dann eine ausführliche Diskussion diverser Gemeinwohldiskurse und ein Diskurs über Politik und Demokratie im 21. Jahrhundert zum Tragen. Diese doch sehr politikwissenschaftliche und theorielastige Diskussion ist leider etwas lang geraten, auch wenn sie grundlegend ist für Dobners Ausführungen über das globale Public-Policy-Netzwerk der Wasserpolitik. Dobner schließt dann ihre gut 350 Seiten lange Untersuchung mit einer theoretischen Bilanz, in der sie sowohl ihrer Sorge um das Gemeinwohl und einen Ausblick in die neue Landschaft des Politischen gibt.

In dieser Habilitation zeigt Dobner sehr detailiert auf, welche negativen Konsequenzen eine verfehlte Privatisierung eines vormals als öffentliches Gut definierten Produktes die Allgemeinheit global schlechter gestellt wird und dies eine globale Kooperation zur Problemlösung erschwert. Doch ein Problem hat die Schlussfolgerung Dobners schon: Ihr Ruf nach konkreten, demokratischen und regional passenden Lösungen sind schwer vereinbar mit der von ihr skizzierten globalen Kooperation. Und das „Regieren jenseits des Staates“, für die die Autorin plädiert, hört sich zwar theoretisch schön an. Sie schafft es aber nicht, dies konkret auszuformulieren. Allein der bisherige Stand der europäischen Integration und Europas Verhalten in der Finanzkrise zeigen, wo die Grenzen einer gemeinsamen grenzübergreifenden Kooperation aussieht. Wünschenswert wäre ebenfalls eine Einbettung, zumindest ein Bezug auf die fast zeitgleich stattfindenden Klima-Konferenzen.

Das Buch ist meines Erachtens nach für jene, die sich auf einem wissenschaftlichen Niveau mit der Problematik beschäftigen wollen, sehr gut geeignet, leider aber nicht für ein breites Publikum. Dazu ist das Buch zu politikwissenschaftlich und theorielastig.

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