BRASILIEN: „Todesurteil für den Xingu und seine indigenen Völker“

„Todesurteil für den Xingu und seine indigenen Völker“ – das sind die klaren Worten, mit denen die Gegner des Belo Monte Staudammprojekts die Unterzeichnung des Konzessionsvertrages am vergangenen Donnerstag, den 26. August 2010, verurteilen.

Während vor dem Regierungspalast Vertreter betroffener indigener Völker und Flussbewohner mit zugeklebten Mündern gegen die Vorgehensweise der Regierung Lulas protestierten, unterzeichnete der Präsident Brasiliens den Vertrag mit dem Konsortium Norte Energia SA.

Belo Monte Staudammgegner demonstrieren vor Regierungspalast (26. August 2010)

Die aus 19 Wirtschaftsunternehmen bestehende Gesellschaft wird damit für den Bau und den Betrieb des Mega-Staudammprojekts Belo Monte am Xingu-Fluss, Bundesstaat Para, verantwortlich sein.

Das Projekt bleibt umstritten: Die Kosten für Belo Monte muss weitestgehend der Staat übernehmen, die Energieeffizienz ist nicht eindeutig, internationale Kritik wird wegen der Beteiligung des österreichischen Konzerns Andritz AG laut, 15 Gerichtsverfahren sind noch am Laufen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt weiterhin die Protestbewegung mit einer Unterschriftenliste gegen das Belo Monte Staudammprojekt. Über deine Unterstützung würden wir uns sehr freuen: Klick hier!

Im Rahmen des FAQ-Berichts über das Belo Monte Staudammprojekt, der bereits die Fragen beantwortete: was ist das Belo Monte Staudammprojekt, wer sind die Unterzeichner der Abschlusserklärung des Protestcamps von Altamira und die Betroffenen und welche ökologischen und sozialen Folgen hat der Bau von Belo Monte – wird heute die Frage geklärt, warum Belo Monte erst der Anfang ist und u.a. deswegen nicht passieren darf.

Warum ist Belo Monte nur der Anfang?

Belo Monte gilt schon jetzt als eines der ineffizientesten Wasserkraftwerke Brasiliens. Die vorausgesagte Höchstleistung von 11.233 MW sinkt auf einen Jahresdurchschnitt von nur 4.462 MW aufgrund des stark schwankenden, saisonal bedingten Wasserpegels. Denn während der drei bis fünfmonatigen Trockenzeit kann die Wasserkraftanlage höchstens zehn Prozent ihrer eigentlichen Leistung erbringen. Notwendig würden infolgedessen weitere Staudammbauten, die den Wasserstand regulieren und eine tatsächliche Wirtschaftlichkeit gewährleisten. Bereits die Baupläne aus den 1980er Jahren sahen sechs Staudämme im Rahmen dieses Projektes vor (namentlich Kararão (11.000 MW), später umbenannt in Belo Monte, Babaquara (6.590 MW), Jarina (620 MW), Ipixuna (770 MW), Iriri (770 MW) und Kokraimoro (1.490 MW).

Fünf davon befänden sich am Xingu-Fluss selbst, einer am Iriri-Fluss, dem größten Zufluss des Xingu.
Nachdem das Projekt wieder zum Leben erweckt worden ist, proklamierte die brasilianische Regierung zunächst den Bau von vier Staudämmen, während sie 2009 bekannt gab, es würde lediglich Belo Monte gebaut. Die Regierung weiß jedoch um die Ineffizienz und die damit verbundene Notwendigkeit weiterer Bauten. Amazon Watch spricht in diesem Zusammenhang von weiterführenden Bauplänen, die neben Belo Monte vier weitere Staudämme (namentlich Ilha do Pimental, Altamira, Pombal und São Felix) beinhalten. Sollten diese Staudämme tatsächlich zur Realität werden, droht den stromaufwärts lebenden indigenen Gemeinschaften ein weiterer erheblicher Eingriff in ihren Lebensraum.
Zusammen mit dem 516 Quadratkilometer großen Stausee von Belo Monte würden den Anlagen rund 6.500 Quadratkilometer Regenwald zum Opfer fallen. Das entspricht etwa der doppelten Fläche des Saarlandes.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das Regierungsprogramm für beschleunigtes Wachstum (PAC) 426 Projekte und davon 300 neue Wasserkraftanlagen im Amazonasgebiet vorsieht, die Einfluss auf indigene Gebiete haben und isolierte Völker auslöschen werden. Viele Menschen sind davon überzeugt, wenn Belo Monte umgesetzt wird, kommt dies einem Freifahrtscheins gleich, der es ermöglicht die Flüsse des Regenwaldgebietes, z.B. den Tapajós, den Araguaia, den Tocantins oder den Teles Pires, mit Staudammanlagen zu bebauen.

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3 Gedanken zu “BRASILIEN: „Todesurteil für den Xingu und seine indigenen Völker“

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