Hessischer Friedenspreis 2010 geht an Palästinenser Khatib

Das Kuratorium des Hessischen Friedenspreises der Albert Osswald Stiftung wird am 22. September 2010 den Hessischen Friedenspreis 2010 an den Palästinenser Ismail Khatib verleihen.
Ismail Khatib wurde am 27. Dezember 1965 als Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus Haifa in einem Flüchtlingslager geboren. Nach seiner Ausbildung zum Automechaniker schloss er sich dem Widerstand gegen die israelische Besatzung an. Khatib nahm an der ersten Intifada teil, zog sich jedoch nach Vorwürfen seines Vaters vom Gewaltgeschehen zurück. Sein Sohn Ahmed, das jüngste seiner sechs Kinder, wurde 2005 als Elfjähriger von israelischen Soldaten irrtümlich erschossen. Ahmed spielte auf der Straße mit einem Plastikgewehr, israelische Soldaten hielten ihn für einen Angreifer. Ismail Khatib und seine Frau Abla entschlossen sich daraufhin, die Organe des toten Kindes zu spenden und so das Leben israelischer Kinder zu retten. Fünf Israelis verdanken heute dieser Spende ihr Leben. Zu ihnen und ihren Familien pflegt Herr Khatib seitdem Kontakt. Khatibs Leitgedanke dabei ist „Kinder haben keine religiöse oder nationale Identität. Solche Dinge spielen für Kinder keine Rolle. Sie sind unschuldig“.

Ismail Khatibs Strategie ist der „Widerstand durch Humanität“. Khatib leistet Widerstand gegen die Besatzung und für die Versöhnung mit den Israelis durch vorbildliche Menschlichkeit und die Bekämpfung von Hass.
Ismail Khatib lebt heute mit seiner Familie in Jenin. Dort leitet er ein Jugendzentrum, das von einer italienischen Stiftung finanziell unterstützt wurde. Sein Ziel ist dabei, den Hass der Kinder und Jugendlichen zu bekämpfen und sie stattdessen für andere Aktivitäten zu begeistern wie etwa Musik und Theater.

Der deutsche Regisseur Marcus Vetter drehte über das Leben Khatibs 2008 den Dokumentarfilm „Das Herz von Jenin“, den wir letztes Jahr bereits in diesem Blog einmal vorstellten. Dieser Zusammenarbeit entsprang der Plan, das verfallene Kino von Jenin als „Kino für den Frieden“ wiederaufzubauen. Das Kino wurde Anfang August dieses Jahres, begleitet von großem medialen Interesse, wiedereröffnet. Wie das Jugendzentrum soll auch das Kino zur Friedenserziehung und zur Bekämpfung des Hasses dienen. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt mit einem größeren Betrag.

Mit Ismail Khatib wird erstmals ein Palästinenser mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet.
Die Ehrenrede auf Ismail Khatib wird der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, halten. Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreises findet am 22. September 2010 um 11 Uhr im Hessischen Landtag statt.

Der palästinensische Christ Daoud Nassar hingegen kämpft immer noch um den Erhalt seines Friedensprojektes, das Begegnungszentrum „Zelt der Völker„. Bitte unterstützen Sie Daoud und unterzeichnen Sie unseren Appell an den Premierminister Israels, Benjamin Netanjahu. Das „Zelt der Völker“ darf nicht abgerissen werden!

Wenn Sie mehr zum israelisch-palästinensischen Konflikt erfahren wollen, kommen Sie doch zu unserer Podiumsdiskussion im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 9. Oktober. Zusammen mit Ahmad Tibi, Mitglied und Sprecher der Knesset, wird die GfbV versuchen, der Frage nachzugehen „Ist Frieden möglich?“

Zum Weiterlesen: Artikel der Frankfurter Rundschau

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