200 Jahre Unabhängigkeit Chiles – Mapuche-Widerstand gegen „neuen Kolonialismus“

Mapuche Demonstration in Chile im Mai 2006 (Foto: GfbV-Archiv)

Am kommenden Samstag (18.09.) feiert Chile den 200sten Jahrestages der Unabhängigkeit. Doch während in Chile gefeiert wird, werden die über 34 Mapuche-Häftlinge weiter hungern. Einige von ihnen in den „trockenen Hungerstreik“ über, das heisst auch keine Flüssigkeit mehr zu sich zu nehmen. Ein dramatischer Protest, der auch charakteristisch für die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung der chilenischen Ureinwohner ist.

Die Hungernden fordern die Abschaffung des berüchtigten Anti-Terrorismus-Gesetzes, das noch aus der Zeit der Pinochet-Diktatur (1973 bis 1990) stammt und nach dem sie wegen Landrechtsstreitigkeiten inhaftiert sind. Der Protest stößt beim chilenischen Präsidenten auf Unverständnis. Er hat die Mapuche am Mittwoch (08.09.2010) zu einem Ende des Hungerstreiks aufgerufen und bezeichnete den Streik als „kein legitimes Mittel in einem Rechtsstaat und in einer Demokratie.“

Mehr als 100 Mapuche-Indianer sitzen derzeit wegen des Antiterrorgesetzes in chilenischen Gefängnissen. Das Gesetz erlaubt, den Angeklagten auch vor Militärgerichten den Prozess zu machen. Eine Untersuchungshaft kann auf bis zu zwei Jahren ausgedehnt werden. Das Anti-Terrorismus-Gesetz wird derzeit ausschließlich in Verfahren gegen Mapuche angewandt wird. Typischer Anklagepunkt ist „terroristische Brandstiftung“, wenn z.B. Mapuche bei dem Versuch, ihr angestammtes Land zu besetzen, Heuballen, Waldarbeiterhütten oder Holzstapel in Brand setzen.

Der Landkonflikt zwischen Regierung und Mapuche wurde durch die Kolonisierung durch Europa, betrügerische Besetzung, gefälschte Verträge, wirtschaftliche Überausbeutung der Naturressourcen und in jüngerer Zeit durch Dekrete der Pinochet-Diktatur (Nr. 2568 und 2750), die die Privatisierung der Mapuche-Territorien erzwangen und zur Auflösung der meisten Gemeinschaften führten, verursacht. Bis heute erhielten die Mapuche für ihr Land keinerlei Entschädigung. Mehr zu dem Konflikt bei taz-Blog.

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