BRASILIEN: Wunschkandidatin Lulas unterstützt Belo Monte Staudammbau

Dilma Rousseff, Lula's Chief-of-Staff, Foto: Antônio Cruz/ABr

Dilma Rousseff, Wunschkandidatin Lula da Silvas


Umfragen sagen voraus, dass Dilma Rouseff bereits im ersten Wahlgang am 3. Oktober 2010 die notwendigen Stimmen erreichen und als erste Frau in diesem Amt in Brasilien die Nachfolge von Lula da Silva antreten wird. Die Wunschkandidatin des amtierenden Präsidenten, dessen Widerwahl nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit nicht möglich ist, wird den Kurs ihres Ziehvaters fortsetzen. Medienbereichten zu urteilen ist Dilma Rouseff alles andere als eine Grüne. Wind- und Solarkraft sind für sie eher eine lästige Randerscheinung. Das fragwürdige Staudammprojekt Belo Monte am Xingu-Fluss wird von ihr hingegen unterstützt.

Im Rahmen des FAQ-Berichts über das Belo Monte Staudammprojekt, der bereits die Fragen beantwortete: was ist das Belo Monte Staudammprojekt, wer sind die Unterzeichner der Abschlusserklärung des Protestcamps von Altamira und die Betroffenen, welche ökologischen und sozialen Folgen hat das Bauvorhaben, warum Belo Monte erst der Anfang ist, welche Alternativen sich Brasilien bieten und was uns der Regenwald und seine Bewohner angehen, wird heute die Frage geklärt, wer an dem Bauvorhaben verdient.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt weiterhin die Protestbewegung mit einer Unterschriftenliste gegen das Belo Monte Staudammprojekt. Über deine Unterstützung würden wir uns sehr freuen: Klick hier!

Wer verdient an Belo Monte?

Seit die Regierung am 1. Februar 2010 grünes Licht für den Bau des Staudammes gab, wurde versucht mit mehreren Gerichtsentscheiden das Projekt zu stoppen. Nach einem harten juristischen Tauziehen erhielt das Konsortium Norte Energia SA. am 20. April 2010 während einer Auktion durch die brasilianische Energiebehörde ANEEL den Zuschlag für das umstrittene Belo-Monte-Projekt. Mittels dreier richterlicher Verfügungen sollte die Aussetzung dieser Versteigerung bewirkt werden, ohne Erfolg.

Protest march against dams in Amazon © REBECCA SOMMER

Protest march against dams in Amazon © REBECCA SOMMER

Am 15. Juni 2010 bestätigte ANEEL das Ergebnis der Auktion. Die Auftragsvergabe fiel damit offiziell dem Siegerkonsortium Norte Energia SA. zu. Die entsprechenden Konzessionsverträge mit Norte Energia SA. unterzeichnete der brasilianische Präsident Lula da Silva, nicht wie ursprünglich vorgesehen im September, sondern bereits am 26. August 2010. Die aus 19 Wirtschaftsunternehmen bestehende Gesellschaft wird damit für den Bau und den Betrieb des umstrittenen Mega-Staudammprojekts Belo Monte am Xingu-Fluss, Bundesstaat Para, verantwortlich sein.

Das Siegerkonsortium wurde von der brasilianischen Regierung nominiert und setzt sich aus folgenden Unternehmen zusammen: Companhia Hidro Elétrica do São Francisco (CHESF) mit 49,98% Beteiligung; Construtora Queiroz Galvão S/A (10,02%); Galvão Engenharia S/A (3,75%); Mendes Junior Trading Engenharia S/A (3,75%); Serveng-Civilsan S/A (3,75%); J Malucelli Construtora de Obras S/A (9,98%); Contern Construções e Comércio Ltda (3,75%); Cetenco Engenharia S/A (5%) und Gaia Energia e Participações (10,02%). Bei dem das Konsortium anführenden Unternehmen Companhia Hidro Elétrica do São Francisco (CHESF) handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des brasilianischen Elektrizitätsdachverbandes Eletrobras mit über 50 Prozent staatlichen Anteilen, der u.a. heute Firmen im Bereich Energieproduktion und Energietransmission kontrolliert, erklärt das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Am 16. August 2010 gab die Betreibergesellschaft Norte Energia SA. die Firmengruppen bekannt, die für die Bautätigkeiten verantwortlich sein werden. Die Unternehmen Odebrecht, Camargo Corrêa und Andrade Gutierrez werden für 50 Prozent der Bautätigkeiten verantwortlich sein. Die andere Hälfte wird auf die Konzerne Queiroz Galvão, OAS, Mendes Júnior, Contern, Galvão Engenharia, Cetenco, Serveng und J. Malucelli verteilt. Odebrecht und Camargo Corrêa hatten ihre Teilnahme als Konsortium an der Versteigerung im April, obwohl sie als Favorit galten, zurückgezogen. Ihrer Ansicht nach schienen die Kosten für das Belo Monte Projekt zu hoch. Jetzt aber wollen sie doch noch mitverdienen und haben sich der aus insgesamt 19 Wirtschaftsunternehmen bestehende Gesellschaft unter der Schirmherrschaft des Siegerkonsortiums Norte Energia SA. angeschlossen. Andrade Gutierrez gehörte zum Verlierer-Konsortium Belo Monte Energia, das von Norte Energia überboten worden ist.

Die Nutznießer des erzeugten Stroms von Belo Monte werden gemäß Amazon Watch die Aluminiumschmelzereien von Carajás, Jurutí und Alumar in den Bundesstaaten Pará und Maranhão sein, bevor er mittels tausender Kilometer an Starkstromleitungen São Paulo und den Südosten des Landes erreicht. Namentlich profitieren die folgenden Konzerne: Alcoa, ArcelorMittal, Camargo Corrêa, CSN, Gerdau, Samarco, Vale und Votorantim.

Rio Xingu, Volta Grande, © REBECCA SOMMER

Rio Xingu, Volta Grande - Flussbeuge, die bei Bau des Belo Monte Staudamms trocken fallen wird, © REBECCA SOMMER

Astronomische Gewinnsummen erhofft sich natürlich auch der Bausektor, der seine Maschinen und das „Know-how“ für den Kraftwerksbau einsetzen will. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Norte Energia SA. wird das europäische Trio zusammengesetzt aus den Unternehmen Alstom, Voith Siemens und Andritz, 14 der insgesamt 18 großen Turbinen sowie sechs kleinere Turbinen liefern. Die vier weiteren Großturbinen soll der argentinische Konzern Impsa bereitstellen.

Die drei Konzerne Alstom, Voith Siemens und Andritz teilten sich bereits das Auftragsvolumen bei den Großkraftwerken am Madeira-Fluss, wo man mit dem Bau der Staudämme Santo Antônio und Jirau im Jahr 2008 begann. Die sozialen und ökologischen Folgen treten in der Region bereits in Erscheinung. Die Stadt Porto Velho (Bundesstaat Rondônia), die als eine der größten Städte der Region in unmittelbarer Umgebung des Baugebietes am Madeira-Fluss liegt, steht beispielsweise aufgrund der Migrationswelle vor unlösbaren Problemen in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Wasser- und Abwasserversorgung, Sozialfürsorge, Bildung und Transport.

Das österreichische Unternehmen Andritz steht zudem wegen der Lieferung elektromechanischer Ausrüstung im Wert von rund 340 Millionen Euro für das Wasserkraftwerk Ilisu in der Osttürkei in der Kritik. Diese Beteiligung bestätigte das Unternehmen am 15. Juni 2010 in seinem Newsportal. Die Pläne für den Ilisu-Staudamm sind fragwürdig, da sie die Umsiedlung zahlreicher Bewohner (bis zu 55.000 Betroffene), die Zerstörung der historischen Stadt Hasankeyf und massive Umweltschäden zur Folge haben werden.

Alstom, dessen deutsche Zentrale sich in Mannheim befindet, ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Energie- und Transportbereich. Voith Siemens, eine Gemeinschaftsfirma zwischen dem baden-württembergischen Unternehmen Voith und Siemens, reiht sich gleichermaßen als international arbeitender Ausstatter von Wasserkraftwerken ein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s