Beduinen im Negev – Bürger zweiter Klasse

Am 15. September zerstörte eine Spezialeinheit der israelischen Polizei im Negev mehrere Beduinen-Siedlungen. Begleitet von Bulldozern zogen sie von Dorf zu Dorf und führten die die Abrissbefehle nach Vorschrift

Beduinen im Negev - Foto von Mohammed Yunus

aus. Mehr als 50 Personen wurden dadurch obdachlos.
Dieser Vorfall ist leider zum Alltag der Beduinen im Negev geworden. Die traditionellen Besitzrechte der Halbnomaden werden von den israelischen Behörden nicht anerkannt. Die Beduinen machen ca. 25 Prozent der Bevölkerung der Negev-Wüste aus, doch ihre traditionellen Besitzrechte werden von den israelischen Behörden nicht anerkannt. Als Konsequenz werden die Siedlungen der Beduinen als „illegal“ deklariert und können jederzeit abgerissen werden. Legitimiert durch das israelische Planungs- und Baugesetz von 1965 werden außerdem manchmal Moscheen, Gemeindehäuser oder Wohnhäuser der Beduinendörfer ohne Vorankündigung abgerissen sowie Nutzpflanzen und Felder der Einwohner zerstört. Die Vertreibung von ihrem traditionellen Land ist für die halbnomadische Beduinenbevölkerung eine Katastrophe. Für sie ist Land eine sehr wichtige Ressource, komplex verwoben mit ihrer Kultur und Lebensweise. Die Nicht-Anerkennung der traditionellen Besitzrechte macht es der israelischen Regierung zudem möglich, weiterhin ihre wirtschaftlichen Pläne zur landwirtschaftlichen Nutzung des Negev umzusetzen. Die Siedlungen der Bediunen stehen ihnen hierfür im wahrsten Sinne „im Weg“. Statt Gespräche mit gewählten Interessenvertretern der Halbnomaden zu führen und gemeinsam über die Nutzung des Negev zu beraten werden radikale Umsiedlungsprogramme vollzogen.
Wegen ihrer arabischen Herkunft haftet den Beduinen der Makel an, eine potenzielle Gefahr darzustellen. Die israelischen Medien bringen die Bewohner in erster Linie mit Kriminalität und Drogenhandel in Verbindung. Entsprechend schlecht ist das Image der Beduinen in der israelischen Öffentlichkeit. Während des Unabhängigkeitskrieges 1948 flohen die meisten Nomaden aus der Negev in die benachbarten Länder. Wer blieb, erhielt zwar die Staatsbürgerschaft, die damit verbundenen Rechte blieben aber oft verwehrt. Der arabische Nationalismus besitzt für sie wegen ihrer transnational-nomadischen Lebensweise eigentlich wenig Attraktivität. Trotzdem fühlt sich mancher Beduine den Palästinensern wesentlich näher, unter anderem weil man sich ebenso wie sie in unterlegener Position sieht. »Die Beduinen besitzen die israelische Staatsbürgerschaft, von vielen werden sie aber als ein Teil des Feindes betrachtet«, sagt Amer Abuhani vom Council for the Unrecognized Villages. »Damit sie sich mehr mit dem israelischen Staat identifizieren, müsste dieser viel mehr für sie tun.«

Die GfbV unterstützt deshalb die Forderungen der UN an Israel , alle beduinischen Dörfer, ihre Besitzrechte und ihr Recht auf Grundversorgung, insbesondere mit Wasser anzuerkennen, und die Zerstörung und Beschädigung von Nutzpflanzen und Feldern zu unterlassen, nicht anerkannte Dörfer eingeschlossen.
Helfen auch Sie mit, die Beduinen zu schützen! Unterzeichnen Sie unseren Appell an den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu!

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