Chile: Nach 75 Tagen Hungerstreik

Mapuche

GfbV-Archiv (Foto: Christina Schug)

Nach wochenlangem Schweigen der Medien und Politiker nehmen die Proteste, die Solidarität und auch die Aufmerksamkeit zu. Die Mehrheit der inzwischen 35 politischen Gefangenen der Mapuche befindet sich seit 75 Tagen im Hungerstreik, um sich gegen die Anwendung des Antiterrorismusgesetzes aus der Zeit Pinochets zu wehren und für einen fairen Prozess zu kämpfen.
Trotz der wenigen Nachrichten in der chilenischen und internationalen Öffentlichkeit melden sich immer mehr Institutionen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Wort.

Immer mehr Menschen in Chile schließen sich dem Hungerstreik an. Unter ihnen sind nicht nur Mapuche, sondern auch besonders viele Geistliche und einige Studenten, durch deren Solidarität die Aufmerksamkeit für das Thema gestiegen ist. Auch der Präsident der katholischen Universität von Temuco, Alberto Vázquez Tapia, ermahnte in einem offenen Brief den chilenischen Staat, die angekündigten Gesetzesänderungen mit größter Sorgfalt den internationalen Standards der Menschenrechte anzupassen. Im momentanen Änderungsvorschlag jedoch sieht die Juristin Dr. Myrna Villegas genau dies nicht berücksichtigt und auch die Direktorin des chilenischen Instituts für Menschenrechte, Lorena Fries, betont: „Wir müssen deutlich voneinander abgrenzen, wann es sich um einen terroristischen Akt handelt und wann wir es mit einem sozialen Protest zu tun haben.“

Anlässlich der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York haben einige EU-Parlamentarier einen Brief an den Generalsekretär Ban Ki-Moon geschrieben, in dem sie die Forderungen der Mapuche unterstützen und an die durch internationale Konventionen zugesicherten Rechte der indigenen Völker erinnern. Ein weiterer Brief richtet sich an die Regierung Chiles.

Den direkten postalischen Weg an Ban Ki-Moon wählte auch der Hungerstreikende Héctor Llaitul aus dem Gefängnis in Concepción. In seinem Brief wiederholt er die Forderungen der Mapuche und schreibt: „Wir sind seit langer Zeit in Untersuchungshaft, viele seit über eineinhalb Jahren“. Seine handgeschriebenen Zeilen schließt er mit den Worten: „Was wir wollen ist nicht Nachsicht, sondern Gerechtigkeit.“

Währenddessen verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden täglich. Innerhalb von nur zwei Tagen mussten sechs politische Gefangene ins Krankenhaus gebracht und dort behandelt werden.

Den Vorschlag des chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera, einen runden Tisch einzurichten lehnen die Mapuche unter den jetzigen Voraussetzungen ab, da weder die Thematik des Hungerstreikes bearbeitet werden soll, noch verbindliche Zusagen in Aussicht stehen.

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