Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo?

Fünf chinesischen Oppositionellen und einer Uigurin aus der chinesischen Provinz Xinjiang werden 21 Jahre nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama große Chancen auf den diesjährigen Friedensnobelpreis eingeräumt. Die Regimekritiker gehören zum Kreis der 230 vorgeschlagenen Kandidaten. Am 8. Oktober wird bekannt gegeben, wer 2010 mit dem Preis international gewürdigt wird.


Als besonders aussichtsreicher Kandidat für den Friedensnobelpreis gilt der im Dezember 2009 zu elf Jahren Haft verurteilte Schriftsteller Liu Xiaobo. Chancen eingeräumt werden aber auch dem inhaftierten Bürgerrechtler Hu Jia, der uigurischen Menschenrechtlerin Rebiya Kadeer und dem Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng. Als Kandidat geführt wird außerdem der im September 2010 nach Verbüßung von vier Jahren Haft freigelassene Chen Guangcheng. Er gilt als engagierter Kritiker der staatlichen Ein-Kind-Politik. Beim Nobel-Komitee wurde auch der ehemalige hochrangige Funktionär der Kommunistischen Partei, Bao Tong, als Kandidat registriert. Er fordert eine Neubewertung des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums erklärte am Dienstag, eine Auszeichnung des inhaftierten Schriftstellers Liu Xiaobo sei ein falsches Signal, da er ein Straftäter sei. Bereits im Juni 2010 hatte die stellvertretende Außenministerin Fu Ying bei einem Besuch in Oslo ihren norwegischen Amtskollegen gewarnt, dass Peking eine Preisverleihung als unfreundlichen Akt ansehen würde.

Liu Xiaobo war 24 Stunden vor dem Tag der Menschenrechte im Jahr 2008 verhaftet worden. Er befand sich unter den 200 mutigen chinesischen Dissidenten, die zum 60-jährigen Jubiläum der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ die Charta 08 unterzeichnet hatten. Der 54 Jahre alte Liu musste bereits mehrere Jahre in chinesischer Haft verbringen. Weil der Schriftsteller die Studentenproteste 1989 rechtfertigte, verlor er seine Arbeitsstelle und musste fast zwei Jahre Haft verbüßen. 1995 verbrachte er erneut sechs Monate im Gefängnis, bevor er 1996 für drei Jahre in ein Arbeitslager eingewiesen wurde. Im Jahr 2003 wurde er zum Präsidenten des „Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrums“ gewählt.

Nach den Unruhen in Tibet im Frühjahr 2008 forderte er einen glaubwürdigen Dialog zwischen der Regierung Chinas und dem Dalai Lama sowie eine echte Glaubensfreiheit für tibetische Buddhisten. Im Dezember 2009 wurde der Ehrenvorsitzende des Pen-Clubs unabhängiger chinesischer Schriftsteller wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt.

Eine Gruppe von mehr als 120 Wissenschaftern und Autoren hat sich für eine Auszeichnung Liu Xiaobos starkgemacht. In einer im Internet verbreiteten Petition fordern die Unterzeichner das Komitee auf, dem 54-Jährigen „als erstem Chinesen diesen angesehenen Preis“ zu überreichen. Zu den Unterzeichnern gehören der britische Autor Salman Rushdie und die Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer aus Südafrika.

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