„Was immer die Muslime sagen, sie akzeptieren uns nicht“ – Die Lage der Christen im Irak

Die taz berichtete am 1. September über einen Kirchenbau der armenisch-apostolischen Gemeinde in Hawresk, Irakisch-Kurdistan. Feierlich wurde die Grundsteinlegung begangen. In anderen Teilen des Iraks jedoch fürchten die Christen im Irak zunehmends um ihre Zukunft.

Während im kurdischen Norden des Landes noch Kirchen gebaut werden können, stehen die Christen im Süd- und Zentralirak unter Druck und sind immer wieder das Ziel von Anschlägen. Eine Liste der GfbV, die Anschläge gegen Christen im Irak seit 2003 dokumentiert, ist 56 Seiten lang.

Den bisherigen Höhepunkt hatte die Christenverfolgung im Frühjahr 2010 erreicht: So wurden der 59-jährige Christ Aishwa Maroki und seine beiden Söhne Bassam und Mokhlas vor den Augen seiner Frau und seiner Tochter am 23. Februar 2010 vermutlich islamischen Extremisten ermordet. Am 17. Februar wurden die beiden christlichen Studenten Wissam George und Zia Toma getötet. Diese Morde stehen exemplarisch für den ständigen Terror gegen Christen und andere Minderheiten.

Viele Christen sehen keinen anderen Ausweg und wandern nach Amerika, Australien oder Europa aus. Besonders junge Leute wählen diesen Weg, auch weil sie durch die bedrohliche Lage ihr Hochschulstudium nicht fortsetzen können. Außerdem ist es nicht leicht, Arbeit zu finden. Durch die Auswanderungen stehen die armenischen Christen im Irak vor dem Ende ihrer Existenz als Glaubensgemeinschaft. Wie den Armeniern geht es allen christlichen Konfessionen im Irak. Seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 sind Zehntausende von Christen aus dem Irak geflohen. Anfang der 80er Jahre haben noch etwa 1,2 Millionen Christen im Irak gelebt, jetzt sind es weniger als die Hälfte. Doch obwohl das Land sicherer geworden ist, hält der Exodus an. Der Abzug der amerikanischen Truppen schürt zusätzlich die Angst.

Trotz aller Bedrängnis gibt es jedoch bei politischen Vertretern und den christlichen Kirchen im Irak auch das Bestreben, dem islamistischen Terror nicht zu weichen, in der Heimat zu bleiben und das Fortbestehen des dortigen Christentums zu sichern. Deshalb verfolgt die GfbV unterschiedliche Ansätze im Hinblick auf die Christen im Irak: Flüchtlinge, die Deutschland erreichten, müssen aufgenommen werden. Nach Syrien oder Jordanien geflohene Christen müssen durch die christlichen Kirchen dort unterstützt werden. Und schließlich müssen auf die irakische Regierung Druck ausgeübt werden, damit in von Minderheiten besiedelten Gebieten eine kommunale Selbstverwaltung möglich wird.

Hier können Sie kostenlos das GfbV-Memorandum „Die größte Christenverfolgung der Gegenwart: Der Exodus der Assyro-Chaldäer aus dem Irak“ downloaden.

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