Chile: Ein bitterer Nachgeschmack

Demonstration zur Unterstützung der hungerstreikenden Mapuche

Demonstration zur Unterstützung der hungerstreikenden Mapuche

Nach 82 Tagen hat der Großteil der hungerstreikenden Mapuche am Freitagabend, dem 1. Oktober 2010 einen Kompromiss mit der Regierung gefunden und beginnt nun wieder langsam mit der Nahrungsaufnahme.
Doch nicht alle haben ihren Hungerstreik beendet. 14 der Gefangenen sehen ihre Forderungen noch nicht erfüllt und befürchten, dass das Antiterrorismusgesetz in seiner modifizierten Form auch weiterhin gegen die sozialen Proteste angewandt wird und das Volk der Mapuche kriminalisiert.

Das Scheitern des Runden Tisches mit der Regierung und dem vermittelnden Erzbischof Ezzati am Montag, den 27. September 2010, machte eine Kompromisslösung zunächst unwahrscheinlich. Ein Gespräch zwischen dem Innenminister Rodrigo Hinzpeter und den Familienangehörigen führte zu dem Kompromiss, dass die Gefangenen nicht als Terroristen verurteilt werden.

Inzwischen hat auch der Senat die Änderungsvorschläge für das Antiterrorismusgesetz angenommen. Brandstiftung fällt allerdings noch immer unter Terrorismus und auch die anonymen Zeugen sind weiterhin zugelassen. Eine Änderung des Gesetzes der Militärgerichtsbarkeit, welches zurzeit erlaubt, dass auch Zivilisten vor dem Militärgericht verurteilt werden können, ist noch in Arbeit

Vierzehn der politischen Gefangenen sind mit den Zusagen der Regierung noch nicht zufrieden. Besonders die zehn Gefangenen aus Angol, von denen sich sieben inzwischen im Krankenhaus von Victoria befinden, sind sich einig, den Hungerstreik weiterzuführen. Sie verkündeten, dem Vertrag nicht zuzustimmen, da nicht gesichert sei, dass das Antiterrorismusgesetz auch zukünftig nicht mehr auf die sozialen Proteste der Mapuche angewandt würde. Auch besteht weiterhin die Möglichkeit, dass Urteile auf der Basis anonymer Zeugenaussagen gefällt werden. Auch wenn die Aussagen nicht überprüft werden können, dienen sie als Beweise und Grundlage vieler Verurteilungen.
Luis Marileo Cariqueo aus dem Jugendgefängnis Cereco Chol-Chol, der seit über einem Monat jegliche Nahrungsaufnahme verweigert und inzwischen 12 kg Gewicht verloren hat, sowie drei Gefangenen aus dem Gefängnis in Temuco kündigten ebenfalls an, ihren Hungerstreik fortzuführen.

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