Gernot Schley: Geschichten aus dem Regenwald


In diesem Blog besprach ich schon Sabine Küglers Autobiograhpie. Dieser Tage wurde ich auf den verstorbenen Filmemacher Gernot Schley aufmerksam – der zu seinen im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlten Dokumentationen Bücher mit Hintergrundinformationen im Horlemann-Verlag veröffentlichte. Er hat in Nord- und Lateinamerika Geschichten von Menschen gesammelt, deren Lebensraum durch die fortschreitende Abholzung der Regenwälder bedroht ist oder die bereits entwurzelt sind. Er hat als Filmemacher, Autor, Journalist in seinen Publikationen immer wieder Menschen und Gruppen beschrieben, die zwar unter uns leben, aber kaum beachtet werden: unheilbar Kranke, Verfolgte, Vereinsamte, oft auch Außenseiter, die sich für andere einsetzen, Individuen, die für eine gerechte Welt kämpfen.

Das besondere Anliegen seiner Filme: Was haben uns Menschen zu sagen, die unter völlig anderen Daseinsbedingungen aufwachsen, zu anderen Göttern beten, eine uns fremde Kultur leben? Was sind ihre Werte, Normen, Träume, wie verhalten sie sich gegenüber Kranken und Schwachen, wie ist ihr Umgang mit Natur und Umwelt? Und schließlich: Was können wir von diesen Menschen und ihrer Kultur lernen?

Seine Bücher zeichnen sich aus durch eine sehr einfühlsame Sprache, ausgesprochene Sympathie für die Menschen, über die er berichtet – abseits gängiger Klischees, ohne zu verurteilen, mit großer Sensibilität. Manchmal entsteht zwar der Eindruck, er würde lediglich Stereotype beschreiben – so wie das Sabine Kügler mit ihrem missionarischen Unterton macht – aber bei ihm weiß man, dass die Stories mitten aus dem Dschungel sind, gut recherchiert sind – und so frei sind von Wertungen, wie es eben nur möglich erscheint. Und das bei einer ausgesprochen subjektiven Wahrnehmung! Schley gelingt es, seine Wahrnehmungen plastisch zu Papier zu bringen und sich zeitgleich als Beobachter zurückzunehmen.

Die eindringlichen, informativ und spannend geschriebenen Reportagen und das ausgezeichnete Bildmaterial (durchweg farbig) vermitteln einen einzigartigen Einblick in die Welt und das Leben der Völker, deren Tage in Zeiten der Globalisierung und rücksichtslosen Ausbeutung der weltweiten Ressourcen gezählt sind. Sehr zu empfehlen.

Schley wurde deswegen mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Er hat Filme in Asien und Afrika gedreht, in den letzten Jahren jedoch überwiegend in Lateinamerika, wo er auf Völker gestoßen ist, die es in wenigen Jahren vielleicht schon nicht mehr geben wird, die Indígens – Indiander, wie wir sie nennen. Diese Menschen nicht einfach nur abzufilmen, sondern für einige Wochen zu leben, wie sie leben, in Indianerhütten zu hausen, in Hängematten zu schlafen, zu essen,was die Indígenas essen – dies alles Ausdruck des Bemühens um Authentizität, dem sich das ganze Team unterordnet. Wer da nicht mitzieht, kann gleich wieder nach Hause fahren, sagt Schley.
Das besondere Anliegen seiner Filme: Was haben uns Menschen zu sagen, die unter völlig anderen Daseinsbedingungen aufwachsen, zu anderen Göttern beten, eine uns fremde Kultur leben? Was sind ihre Werte, Normen, Träume, wie verhalten sie sich gegenüber Kranken und Schwachen, wie ist ihr Umgang mit natur und Umwelt? Und schließlich: Was können wir von diesen Menschen und ihrer Kultur lernen?

Gernot Schley starb Ende des Jahres 2006. Seine Bücher sind im Horlemann-Verlag erschienen, ihr Preis zwischen fünf und zehn Euro unschlagbar günstig. Absolut empfehlenswert!

Advertisements

2 Gedanken zu “Gernot Schley: Geschichten aus dem Regenwald

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s