„Lebanon“: Im rollenden Sarg durch den Krieg


Dieser Tage kam der Film „Lebanon“ in die deutschen Kinos. Ich bin mal mit einem mulmigen Gefühl rein, weil Filme über Krieg nicht unbedingt mein Ding sind. Aber es hat sich gelohnt – denn die Besprechungen, die ich vorher las, werden dem Film durchaus gerecht.

Erzählt wird die Geschichte einer vierköpfigen Panzerbesatzung, die – allesamt unerfahren, blutjung, naiv fast schon – 1982 unvorbereitet in den Libanon-Krieg geschickt werden. Der Stern lobt: “ „Lebanon“ vermittelt das, was die allermeisten Antikriegsfilme trotz bester Absichten verfehlen, nämlich die Unerträglichkeit des Krieges, des befohlenen, organisierten und zum Selbsterhalt unausweichlichen Tötens.“

Weiter führt der Stern aus: „Ganz unabhängig von der Frage, wie berechtigt oder unberechtigt dieser Feldzug Israels war, geht es in dem zu Recht preisgekrönten Film von Samuel Maoz um existenzielle Extremsituationen und die Überforderung darin befindlicher Menschen. „Lebanon“ ist ein Horrorfilm. Aber im Gegensatz zu allen Produktionen dieses beliebten Genres ein notwendiger, vom Leben und Leiden seines Schöpers erzwungener Horrorfilm.“

3Sat beschreibt „Lebanon“ als „Kammerspiel Krieg“, der als „verzweifelte Lebensbeichte ein meisterhafter Trip ins Herz der Finsternis“ darstelle. Die Zeit verweist dabei auf einen wichtigen Aspekt des Filmes: „Maoz’ Film bleibt unter politischen Gesichtspunkten überhaupt blass und gleichgültig. Lebanon ist, anders als der Titel nahelegt, eben kein Film über den Libanonkrieg, sondern zeigt den Krieg an sich, jeden oder irgendeinen Krieg. Es ist ein eindrücklicher Film über Menschen unter Beschuss, über Angst und Schuld, über den Tod und den Instinkt, irgendwie zu überleben.“

Der Film klag an. Aber nicht Israel. Sondern den Krieg als solches. Wer nun eine aktuelle Stellungnahme zum Nahost-Konflikt erwartet, sei auf Eyal Weizmanns „Sperrzonen“ ( zur israelischen Siedlungspolitik),  „Waltz with Bashir“ oder den Goldstone-Bericht verwiesen.

Bleibt für mich als Fazit: wer sich den Film anschauen will, sollte vorher wissen, auf was er sich einlässt. Dem einen oder anderen zartbesaiteten Gemüt wird vielleicht anschließend von Albträumen verfolgt.

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