Kolumbien: 20.000 Indigene demonstrieren am Kolumbus-Tag für ihre Rechte

Kolumbiens Indigene demonstrieren für mehr Mitbestimmung und Respekt (Foto: www.semana.com)

Kolumbiens Indigene demonstrieren für mehr Mitbestimmung und Respekt (Foto: http://www.semana.com)

Unter dem Motto „Die indigenen Völker Kolumbiens – gegenwärtig und aktiv für unsere Rechte“ zogen am vergangenen Dienstag etwa 20.000 Indigene aus allen Teilen des Landes friedlich durch die Straßen der Hauptstadt Bogotá, um für mehr Selbstständigkeit, Mitbestimmung und das Recht auf ihr angestammtes Land zu demonstrieren. Anlass war der Kolumbus-Tag bzw. der Día de la Raza, wie der Feiertag offiziell in Kolumbien und vielen anderen lateinamerikanischen Ländern genannt wird. Die symbolträchtige Festivität soll nicht nur jedes Jahr an die Landung von Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 in der Neuen Welt erinnern, sondern auch die Verbindung beider Kontinente durch ihre gemeinsame Geschichte und Kultur betonen.
 
Der vierstündige Protestmarsch, zu dem die nationale Indigenenorganisation Kolumbiens (ONIC) aufgerufen hatte, begann an der Nationalen Universität und endete schließlich an der Plaza de Bolívar nahe des Nariño Palastes, dem Sitz des Präsidenten. Auch Studenten der umliegenden Universitäten schlossen sich dem langen, bunten Demonstrationszug an und brachten so ihre Solidarität mit den Indigenen zum Ausdruck. Für mehrere Stunden kam es dadurch in der Innenstadt zu massiven Verkehrsstaus, einige Straßen mussten komplett gesperrt werden.
 
518 Jahre sind in diesem Jahr seit Kolumbus’ Ankunft in der Neuen Welt vergangen. Für die Indigenen des Landes sind dies vor allem 518 Jahre der radikalen Veränderungen ihrer Lebensweise. Obwohl Kolumbien in seiner 1991 verabschiedeten Verfassung die Rechte von indigenen Völkern weitestgehend anerkennt und noch im gleichen Jahr ebenfalls die ILO Konvention Nr. 169 unterzeichnet hat, die den Ureinwohnern mehr Mitspracherechte bei Entscheidungsprozessen über ihr Land einräumt, ist die Situation noch immer äußerst kritisch. Wie die Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen (UNHCR) im September in einem Bericht mitteilte, sind 34 der insgesamt ca. 102 indigenen Völker Kolumbiens stark in ihrer Existenz bedroht. Besonders problematisch sind der Abbau von Ressourcen oder Projekte wie Staudämme oder Palmölplantagen auf indigenem Siedlungsgebiet. Sie entziehen den Ureinwohnern ihre Lebensgrundlage, wodurch diese gezwungen sind, ihr angestammtes Land zu verlassen. Hauptbedrohung ist und bleibt aber die Gewalt. Immer wieder werden Indigene unbeteiligt und unverschuldet in den schon jahrelangen internen, bewaffneten Konflikt zwischen Nationalarmee, Paramilitärs (AUC, Águilas Negras) und Guerillagruppen (FARC, ELN) hineingezogen – meist indem sie beschuldigt werden, mit der jeweils anderen Seite zu kollaborieren. Die Folge sind Entführungen, Vergewaltigungen von Frauen oder im schlimmsten Fall Massaker. Laut der Indigenenorganisation ONIC wurden alleine zwischen 2002 und 2009 etwa 1.400 Indígenas getötet und auch in 2010 sind bereits über 100 Menschen der anhaltenden Gewalt zum Opfer gefallen.
 
Noch während des Protestmarsches signalisierte die Regierung Gesprächsbereitschaft. Der im Juni 2010 neu gewählte Präsident Juan Manuel Santos, der zu dieser Zeit am Zweiten Kongress der Emberá-Indianer in der Gemeinde El Dovio (Departement Valle del Cauca) im Südosten des Landes teilnahm, kündigte an, von nun an stärker den Dialog mit den indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften zu suchen. Zudem sollen einige Programme verabschiedet sowie eine Kommission auf höchster Ebene eingerichtet werden, um die Politik zum Schutz der indigenen Bevölkerung voranzutreiben. Ob dies für Kolumbiens Indígenas tatsächlich eine Chance ist, ihre Probleme zur Sprache zu bringen und ihre Zukunft selbst aktiv mitzugestalten bleibt abzuwarten…

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