Die Angst vor dem Frieden

Dieser Tage las ich mit großer Neugierde Moshe Zimmermanns neues Buch „Die Angst vor dem Frieden“ über das aus seiner Sicht wahrgenommene Dilemma Israels, Frieden mit seinen Nachbarn zu schließen. ich halte es für ein erschreckendes Buch über den politischen Zustand Israels. Nun schreibt die Frankfurter Rundschau folgendes dazu:

„Moshe Zimmermann zeigt nur, wer und was in Israel den Friedensprozess behindert, und weist selbst auf diese zentrale Schwäche des Buches hin. Eine andere Lücke verschweigt er. Könnte es nicht sein, dass die Angst vor dem Frieden auch daher rührt, dass die Israelis nur zu genau wissen, dass die Gründung des Staates Israel Unrecht war? Vielleicht rührt die Angst doch auch daher, dass man fürchtet, dafür einmal bezahlen zu müssen. So betrachtet haben wir es – nicht nur, was terroristische Angriffe angeht – mit wohlbegründeter Furcht zu tun. Die Einmauerungs- und Siedlungspolitik ist da freilich keine Lösung. Sie verstärkt die Probleme. Ohne das Eingeständnis des Grundunrechts der Staatsgründung wird es keinen Frieden geben. Wie es auch keinen Frieden geben wird, ohne dieses Grundunrecht als schrecklichen fait accompli zu akzeptieren und das Existenzrechts des Staates Israel anzuerkennen.“

Das Buch liest sich sehr zügig, ist spannend und flüssig geschrieben – auf 152 Seiten findet sich eine schonungslose Analyse Israels Siedlungs- und Friedenspolitik. Es ist ein ehrlich geschriebenes Buch, das einer Abrechnung mit dem eigenen Land gleich kommt. Ich halte diese Abrechnung als eine wirklich aufrüttelnde Analyse herausstellte. Während man aus unseren Medien nur bruchstückhafte und sehr zurückhaltende Informationen über bedenkliche Entwicklungen innerhalb Israels erhält, zeichnet Zimmermann auf 150 Seiten ein so deutliches und unverblümtes Bild der Zustände in diesem Land.

Zimmermann ist sich sicher, dass Araber und Israelis in einem “permanenten Angst- und Spannungszustand” leben, der sie am Denken hindert. Unter anderem zitiert er aus dem Buch des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten (Ein Platz an der Sonne): “Im Nahen Osten geht Sicherheit vor Frieden und Friedensverträgen”. So bleibt der Unfrieden ein Programm, das ständig neue Unsicherheit produziert.

Letztlich kann man dieser Streitsschrift eines vorwerfen – er arbeitet ohne Quellenangaben, es ist für Menschen, denen der Konflikt eher fremd ist, dadurch schwer nachvollziehbar, worauf er sich bezieht. Und bei all seiner Kritik blendet er leider doch auch sehr deutlich die externen (und objektiv nachvollziehbaren) Bedrohungen durch Hamas, Hizbollah und Iran aus. Diese verstärken Israles Angst vor ihren „Nachbarn“. Doch warum tut Zimmermann das? Ich glaube, dass hat einen einfachen Grund (ich lass mich aber gerne eines besseren belehren): An diesem Unfrieden, so Zimmermann, haben immer die ein Interesse, die damit ihre politische Position behaupten können. Und weil er Israeli ist, setzt er sich weniger mit der Hamas, als mit seinem eigenen Regime auseinander. Das findet man in Israel gerne paradox. Aber an der politischen Bewegungsform der Hamas kann der Autor wenig ändern, an den Positionen seines Landes, so hofft er, schon.

Letztlich war ich nach der Lektüre dennoch etwas enttäuscht: „Die Angst vor dem Frieden“ verspricht im Vorfeld mehr Erkenntnisgewinn als am Ende bei raus kommt. Es ist dennoch für all diejenigen, die die kontrovers geführte Nahostdebatte sachgemäß und redlich reflektieren möchten, ein wichtiger Beitrag.

Das Buch ist im Aufbau-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro. Der frühere DDR-Verlag verlegte übrigens auch erfolgreich Einen die Tagebücher von Victor Klemperer „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“, aber auch Bücher von Brigitte Reimann und Alfred Kerr konnten in hohen Auflagen vertrieben werden.

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