„Albinos“ in Lebensgefahr

Menschen mit Albinismus haben meist weiße oder weißblonde Haare, rötliche Augen und eine sehr helle und empfindliche Haut. In Europa fallen sie damit selten auf, in Afrika allerdings ziehen sie die Blicke auf sich. „Albinos“ werden sie meist genannt, bezeichnen sich jedoch selbst lieber als Menschen mit Albinismus.
Sie leiden häufig unter sozialer Diskriminierung und unter der gefährlichen UV-Strahlung der afrikanischen Sonne. Rund ein Sechstel von ihnen ist an Hautkrebs erkrankt. Von Albinismus betroffenen Menschen mangelt es in Afrika an völlig elementaren Schutzmitteln wie Sonnencremes und Sonnenbrillen. Eine lebensrettende Krebsbehandlung kann sich kaum einer leisten.
Außerdem existieren in afrikanischen Ländern meist eine unzureichende Gesundheitsversorgung und ein Mangel an Aufklärung über gesundheitliche Risiken.
Doch nicht nur die medizinischen Probleme und die gesellschaftliche Stigmatisierung machen ihnen das Leben schwer. Es entwickelt sich zudem seit 2007 eine gefährliche Gewaltwelle gegen Menschen mit Albinismus.

In einigen Ländern Afrikas existiert der Aberglaube, „Albinos“ hätten übernatürliche Kräfte. Mit ihren Körperteilen wird reger Handel betrieben. Traditionelle Heiler verwenden ihre Leichenteile, um daraus Zaubertränke herzustellen. Allein in Tansania, das als das Land mit den meisten von Albinismus betroffenen Menschen weltweit gilt, hat der grausame Aberglaube seit 2008 mindestens 57 Menschen das Leben gekostet.

Die tansanische Regierung reagierte hart auf diese grausame Entwicklung:
Sie erteilte allen traditionellen Heilern des Landes ein vorübergehendes Berufsverbot, berief eine „Albino“-Frau ins tansanische Parlament, die dort die Möglichkeit bekommen soll, die Anliegen ihrer Leidensgenossen zu vertreten und forderte die Registrierung aller im Land lebenden Menschen mit Albinismus. Der tansanische Premierminister adoptierte ein Waisenkind mit Albinismus und leitete gemeinsam mit Präsident Kikwete eine Kampagne gegen die Morde an Menschen mit Albinismus ein. Außerdem wurden bislang sieben Menschen aufgrund von Morden an „Albinos“ zum Tode verurteilt.

Auch die von Albinismus betroffenen Menschen selbst organisieren sich in Selbsthilfegruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um gemeinsam für eine Sensibilisierung der tansanischen Gesellschaft und für mehr Schutz von Seiten der Regierung zu kämpfen.

Inzwischen haben sich der gefährliche Aberglaube und die skrupellose Verfolgung von „Albinos“ auch auf andere afrikanische Länder wie Kenia, Burundi, die Demokratische Republik Kongo und Uganda ausgebreitet. Das Wissen um die genetischen Ursachen ihres Aussehens ist in diesen Ländern sehr gering. In den meisten afrikanischen Gesellschaften sind Menschen mit Albinismus Außenseiter. Ihnen wird teilweise sogar das menschliche Wesen abgesprochen.

Die Bildung und die Aufklärung der afrikanischen Bevölkerung in Bezug auf Albinismus sind wichtige Mittel, um dem Aberglauben und den Grausamkeiten an der „Albino“-Bevölkerung ein Ende zu setzen. Aber auch von Seiten der betroffenen Staaten müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um Menschen mit Albinismus einen wirksameren Schutz zu gewähren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s