Mit dem Wind fliehen – Roman aus Sri Lanka


In diesem Blog ging ich immer wieder auf das Ende des tamilischen Bürgerkriegs in Sri Lanka ein (z.B. hier und hier). Nun las ich dieser Tage mit großer Neugierde Ranjith Henayakas Roma „Mit dem Wind fliehen“. Es ist ein bemerkenswerter Roman mit vielen persönlichen Farbtupfern, den ich an dieser Stelle nicht einfach nur besprechen, sondern nachdrücklich empfehlen kann:

Denn hier beschreibt jemand seinen Lebenswerk. Der Protagonist gerät während des Bürgerkrieges zwischen die Fronten, wird gefoltert – und dem dann dank guter Freunde die Flucht nach Deutschland gelingt. Doch damit ist er noch immer nicht in Sicherheit – denn Neonazis machen gegen Flüchtlinge mobil. Ranjith Henayaka beschreibt ein Leben, das viele von uns so nicht kennen, ein Leben jenseits der Kriminalitätsstatistik rechtsextremer Staftaten, jenseits von Medienberichten. Henayaka gelingt es, uns Wohlstanddeutschen zu zeigen, was es heißt, aus seiner geliebten Heimat fliehen und auch in seiner neuen Heimat um Leib und Leben fürchten zu müssen.

Da schreibt einer, der die Geschichte Sri Lankas erlebt hat, weiß, wie schlimm es ist, fliehen zu müssen und geliebte Freunde zurücklassen zu müssen. Da spricht einer, der nach Deutschland geht, dort aber (innerlich) nicht ankommt, sondern angespuckt, beschimpft, bedroht wird. Einer, der sich durch den deutschen Behördendschungel durchschlagen muss. Ein Behörden-Dschungel, der ihn nicht willkommen heißt. Wer selber nicht erlebt hat, wie menschenverachtend dieses System sein kann, wird glauben, dass es ein Märchen wäre. So sucht der Protagonist dieses Buches (Nathan sein Name, aber sehr authentisch, dem Autoren in vielen Facetten ähnelnd) in Deutschland Schutz vor den Ängsten des Bürgerkrieges. Und wird den Nazis ausgeliefert….ein wahrhaft aufrüttelnder Bericht. Einer, der betroffen macht, wenn man ihn liest.

Der Band ist im Horlemann-Verlag erschienen, kostet 19,90 Euro und ist empfehlenswert. Denn hier kann man als Leser direkt und unmittelbar in die wahre Geschichte eines politisch aktiven Menschen eintauchen und unmittelbar miterleben. Ein sehr packender, glaubwürdiger Bericht, den Ranjith Henayaka da abgibt: Ein Zeugnis seines eigenen Lebens, offen und ehrlich, selbstkritisch, aber auch selbstbewußt. Die Vorsitzende der Bündnis90/Die Grünen, Claudia Roth, empfiehlt das Buch mit folgenden Worten: „Es ist ein Buch, das mit stillen Tönen aufrüttelt, das uns aufruft zum Engagement“. Dieser Empfehlung kann ich nach der Lektüre des Buches nur zustimmen. Das Buch rüttelt auf. Gerade durch seine doch sehr stille, sehr zurückhaltende Art und Weise wirkt es sehr eindringlich.

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