Brasilien: GfbV fordert Schutz der unkontaktierten Indigenen im Gebiet des Megastaudamms Belo Monte

Text: GfbV Schweiz

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist besorgt, dass beim Bau des Megastaudamms Belo Monte in Brasilien insbesondere unkontaktierte Indigene bedroht sein könnten. Sie fordert von der brasilianischen Regierung, dass diese ein großräumiges Schutzgebiet erhalten. Alle weiteren vom Staudammprojekt betroffenen Indigenen sollen ein Mitentscheidungsrecht erhalten, so wie dies die von Brasilien ratifizierte ILO-Konvention 169 festschreibt.
Im Amazonasgebiet gibt es noch ca. 70 in freiwilliger Isolation lebende indigene Bevölkerungsgruppen. Diese leben nicht in offiziellen Schutzgebieten, sondern nomadisieren. Im Rahmen einer Recherche über die möglichen Auswirkungen des Belo Monte-Staudamms ist eine Vertreterin der GfbV kürzlich auf aktuelle Informationen über unkontaktierte Indigene gestoßen – und dies in nur 70 km Entfernung von dem Ort, an dem der Bau des Belo Monte-Staudamms geplant ist.
Indigene, welche in derselben Region in offiziellen Schutzgebieten leben, teilten der GfbV-Vertreterin Rebecca Sommer mit, sie seien unkontaktierten Indigenen begegnet. Auch Vertreter der Indianerschutzbehörde FUNAI bestätigten ihr dies (dazu finden Sie Videointerviews auf www.gfbv.ch).

Trotz der deutlichen Anzeichen für die Anwesenheit von feiwillig isoliert lebenden Indigenen in der Nähe des geplanten Mega-Staudamms hat die brasilianische Regierung bislang keine speziellen Schutzmaßnahmen ergriffen.

Die unkontaktierten Indigenen sind nach Ansicht der GfbV jedoch durch die mit dem Staudamm einhergehende wirtschaftliche Entwicklung akut bedroht. Der geplante Bau des Megastaudamms wird gemäß brasilianischer Umweltverträglichkeitsprüfungen rund 100’000 Menschen anziehen. In freiwilliger Isolation lebende Indigene reagieren besonders empfindlich auf die Kontaktnahme durch Zuwanderer. Ihnen fehlen zum Beispiel Abwehrkräfte gegen von Siedlern eingeschleppte Krankheiten. Der Siedlungsdruck bedroht somit ihre die physische und kulturelle Existenz. Die GfbV fordert von der brasilianischen Regierung, dass sie diesen freiwillig isoliert lebenden Bevölkerungsgruppen schnellstmöglich großräumige Schutzgebiete zuweist, die sie sodann für den Zugang von Siedlern und Unternehmen sperrt.

Des Weiteren ist die GfbV besorgt über den Umgang der brasilianischen Regierung mit denjenigen Indigenen, die in den Reservaten leben. Denn deren formelles Einverständnis zum Bau des Belo Monte-Staudamms, welches die ILO-Konvention 169 verlangt, wurde bisher nicht eingeholt. Die GfbV fordert Brasilien auf, den vom Bau des Belo Monte-Staudamms direkt und indirekt betroffenen Indigenen eine wirkliche Mitsprache zu ermöglichen.

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