16. Klimagipfel in Cancún: Indigene fordern Anerkennung und Mitsprache

Übersetzung einer Zwischenbilanz des Internationalen Indigenen Forums zum Klimawandel vom 06. Dezember 2010:

16. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Klima-Rahmenkonvention
Politische Position des Internationalen Indigenen Forums zum Klimawandel nach der ersten Verhandlungswoche, 06. Dezember 2010, Cancún, Mexiko

Als Indigene Völker aus allen Teilen der Welt, die an der 16. Weltklimakonferenz teilnehmen, stehen wir in der vordersten Reihe, wenn es um die unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels, die Folgen bei der Umsetzung falscher Lösungen und die Konsequenzen davon geht, wenn Staaten unsere Rechte nicht anerkennen und garantieren. Unser gegenwärtiges und zukünftiges Überleben ist in Gefahr. Als indigene Völker werden wir faktisch weiterhin von den Diskussionen und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Wir fordern Respekt für unsere Rechte und unsere vollständige und effektive Beteiligung.

Wir bekräftigen erneut die drei Pfeiler unserer politischen Position, die in den abschließenden Vereinbarungen von Cancún garantiert und umgesetzt werden müssen, ebenso wie in allen Prozessen, Vereinbarungen und Aktionen in Bezug auf den Klimawandel auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene:
• Vollständiger Respekt für unsere Rechte, einschließlich derer, die in der UN-Deklaration der Rechte indigener Völker genannten werden.
• Respekt für unser Recht auf freiwillige, vorherige und informierte Einwilligung
• Anerkennung und Schutz unseres traditionellen Wissens als Grundlage für erfolgreiche Lösungen für den Klimawandel. Unsere Strategien und lokalen Lösungen, die auf unserem traditionellen Wissen gründen, können reale Lösungen für den Klimawandel bieten.

Wir erkennen an, dass der derzeit zur Verhandlung stehende Vertragstext einige Verweise auf Indigene Völker beinhaltet. Diese müssen in den Abschlussvereinbarungen von Cancún enthalten sein. Als Antwort auf unsere Forderungen nach vollständiger Anerkennung und Umsetzung der Rechte, wie sie nach 30-jährigem Ringen nun in der UN-Deklaration der Rechte indigener Völker anerkannt werden, greifen sie jedoch zu kurz. Unsere Rechte müssen Bestandteil aller Bereiche der Vereinbarung sein, die in Cancún erzielt werden, u.a. in der Präambel, den Gemeinsamen Visionen und dem REDD-Prozess (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation).

Wir lehnen auch weiterhin den Emissionshandel als Lösung für den Klimawandel ab. Unsere Mutter Erde ist keine Ware. Insbesondere bestehen wir darauf, dass Wälder eine Vielzahl von Funktionen haben und die Ressource für das Leben indigener Völker weltweit sind, einschließlich für die in freiwilliger Isolation lebende Gemeinschaften. Sie können daher nicht Teil von Programmen oder Maßnahmen sein, die auf Emissionshandel beruhen.

Die Lösungen für den Klimawandel müssen anerkennen, dass Mutter Erde heilig ist. Wir fordern die Vertreter der Staaten auf, über ihr Verhältnis zu Mutter Erde nachzudenken, dessen Wert zu bestimmen sowie echte und wirkungsvolle Lösungen zu suchen, die das Gleichgewicht zwischen Natur und den Menschen sowie den gegenseitigen Respekt wieder herstellen.
Wir fordern die Vertreter der hier versammelten Staaten auf, den Ernst der Klimakrise anzuerkennen. Wir verlangen besonders von den Industrienationen, dass sie Verantwortung für die Verteidigung und den Schutz von Mutter Erde übernehmen und sich zu effektiven, ernsthaften und rechtsverbindlichen Taten verpflichten, um die Treibhausgas-Emissionen, die das Leben weltweit bedrohen, zu reduzieren.

Wir müssen für die Pflanzen, Tiere und für die zukünftigen Generationen sprechen, deren Stimmen hier nicht gehört werden können. Ihr Überleben hängt ebenso von überzeugenden, gerechten und echten Ergebnissen am Ende dieser Woche hier in Cancún ab wie unseres.

(Übersetzung: Judith Kunze)

Weitere Informationen: Andrea Carmen
Berichterstatterin für das International Indigenous Peoples Forum on Climate Change (IIPFCC)/Geschäftsführerin International Indigenous Treaty Council
456 N. Alaska St., Palmer, AK 99645
Tel (907) 745-4482, Fax (907) 745-4484
andrea@treatycouncil.org
www.treatycouncil.org

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