Cancún: Indigenen-Forum kritisiert Beschlüsse des Klima-Gipfels

Foto: Ainhoa Goma/Oxfam

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Am vergangenen Freitag, dem 10. Dezember 2010, ging im mexikanischen Cancún die 16. Weltklimakonferenz zu Ende. Für die Vertreter der indigenen Bevölkerung dieser Erde sind die Resultate nicht befriedigend ausgefallen. Wesentliche Forderungen bleiben weiter unerfüllt.
Das Internationale Forum der indigenen Völker zum Klimawandel (International Indigenous Peoples’ Forum on Climate Change – IIPFCC) hatte bereits am 6. Dezember eine Zwischenbilanz zum Klimagipfel in Cancún veröffentlicht. Das IIPFCC kritisierte darin, dass die indigene Bevölkerung faktisch von der Diskussion bei der Konferenz ausgeschlossen wird und forderte Respekt für ihre Rechte und eine effektive Beteiligung am Entscheidungsprozess. Eine abschließende Presseerklärung des IIPFCC vom vergangenen Freitag sowie auch ein Statement des Indigenous Environmental Network (IEC) vom 12. Dezember vermittelt nun den mehr als bitteren Nachgeschmack, den die Ergebnisse der Klimakonferenz hinterlassen. Die Vertreter der indigenen Bevölkerung konstatieren den Verhandlungsteilnehmern jegliches Fehlen eines ernst gemeinten Willens, effektive Maßnahmen zum Schutz des Klimas und der Erde zu ergreifen. Konstruktive Alternativvorschläge aus den Reihen der Indigenen, darunter das durch die bolivianische Delegation eingebrachte Peoples’ Agreement of Cochabamba , wurden zugunsten eher marktbasierter Lösungsansätze wie REDD ignoriert. Das Cochabamba Agreement wurde im April dieses Jahres durch die „Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde“ formuliert und spricht sich im Kern für eine Abkehr von ausschließlich markt- und profitbasierten Umweltschutzmaßnahmen aus. Nur durch einen solch tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel der Industrienationen könnten aufrichtige und wirksame Zugeständnisse an Erde und Umwelt gewährleistet werden.
In seiner Abschlusserklärung macht das IIPFCC deutlich, dass die indigenen Völker ihr durch die UN festgeschriebenes Recht auf Partizipation an allen sie betreffenden Entscheidungsprozessen als nicht erfüllt ansehen. Insbesondere im Hinblick auf die weitere Kommerzialisierung der Natur durch den Emissionshandel und REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) äußert das Indigenen-Forum große Sorge. Im Rahmen von REDD wird dem in den Wäldern gespeicherte Kohlenstoff wirtschaftlicher Wert beigemessen. Durch solche marktwirtschaftlichen Ansätze, die die Umwelt als Ware betrachten, sieht das IIPFCC die Achtung der Rechte der indigenen Bevölkerung in Gefahr. Denn die zur Ware erklärte und dadurch zum Handel freigegebene Natur ist deren Lebensgrundlage. Die Indigenen-Rechte werden zwar im Rahmen des REDD Programms erwähnt, jedoch wird deren Schutz und Einhaltung nirgendwo garantiert.
„Wir sind hier hergekommen um eine Reihe von Vorschlägen zu machen, doch haben den Eindruck, ignoriert worden zu sein“, so Janeth Cuji, IIPFCC-Mitglied aus Ecuador. Die indigene Bevölkerung ist in die Diskussion und Entscheidungsprozesse der Konferenz nicht miteinbezogen worden. Ihre Vorschläge und Forderungen wurden ignoriert und bleiben unerfüllt. So kann die 16. Weltklimakonferenz aus der Perspektive der indigenen Gemeinschaften nur als herbe Enttäuschung bezeichnet werden.

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