Jasmin Tabatabai: Rosenjahre (Buchbesprechung)


Kürzlich besprach ich in diesem Blog bereits Ayse Kulins „Der schmale Pfad“ und verwies auf die Comics Marjanes Satrapis „Persepolis“ oder „Sticheleien“. Doch es gibt auch weitere empfehlenswerte Literatur zum Orient: so zum Beispiel „Rosenjahre“. In diesem spannenden Band schildert Jasmin Tabatabai die Geschichte ihrer Famlie zwischen Persien und Deutschland.

Kaum hatte ich diese Autobiographie in der Hand, wollte ich auch nicht wieder aufhören zu lesen. Denn sie ist witzig und mit einer bajuwarisch-persischen Prise Humor erzählt. Tabatabai zeigt, wie es ist, Grenzgängerin zwischen zwei Kulturen zu sein.

Dabei schildert sie die Liebesgeschichte ihrer Eltern – einer jungen Münchnerin, die ihrer großen Liebe nach Persien folgt. Doch diese Einblicke sind mehr als nur eine Romanze. Sondern auch ein kultureller Einblick in das Persien nach dem Zweiten Weltkrieg und vor dem Sturz des Schahs. Die von Tabatabai geschilderten Alltagsgeschichten sind eine liebenswerte Mischung aus Neugier und Humor. Humor, den man und frau braucht, um den kulturellen Herausforderungen begegnen zu können. Doch was noch wichtiger ist: Tabatabai erzählt die Geschichte des Irans, bis die islamische Revolution alles verändert. Und dies ist vielleicht der bedrückenste Teil des ganzes Buches. Denn hier zeigt sich, wie sich die scheinbar so große Weltgeschichte auf einzelne Personen und ihr unmittelbares Umfeld auswirkt.

Letztlich schildert Jasmin Tabatabai, die vielen von uns als Schauspielerin bekannt ist, wie sie im modernen, vor-theokratischen Iran aufwächst und wie sie als Deutsch-Perserin nach 1979 in Deutschland einlebt. Das spannende dabei ist: sie schildert die iranische Opposition gegen den Schah. Deren einziger Nenner ist die Abschaffung der Monarchie. Nur konnte sich keiner auf eine Nachfolge-Regelung einigen, so dass die Monarchie durch eine Theokratie ersetzt wurde. Hier werden sich Leser dieses Blogs an die Ereignisse der sog. „Präsidentschafts“-Wahl 2009 erinnern. Tabatabai schildert jedenfalls, wie sich diese Revolution auf ihre Familie auswirkte, wie sehr die unterschiedlichen Meinungen auseinandergingen und wie groß die Gefahr war, dass ihre Familie daran scheiterte.

Was besonders augenfällig ist und von den heutigen Herrschern gerne verschwiegen wird: die Mullahs um Chomeini arbeiteten in der Opposition gerne und viel mit den Kommunisten zusammen, nur um sie nach dem Sieg ihrer Revolution hinzurichten. Nebenbei schildert die Autorin, wohin religiöser Fanatismus sonst noch so alles führen kann. Zyniker könnten jetzt einwenden, dass die Geschichte nunmal in der Regel von den Siegern handelt. Menschenrechtsarbeit gibt dabei aber auch den Kleinen, den Schwachen der Geschichte eine Stimme. Darum finde ich dieses sprachlich gut aufbereitete Buch „Rosenjahre“ so bemerkenswert – Rosen als schöne Blumen, aber auch stachelig (Anspielungen auf die Menschenrechtsarbeit lass ich an dieser Stelle mal besser…).

Ich kann das Buch jedenfalls wirklich gut empfehlen, es gelingt der Autorin – die sich selbst entgegen des Trends bei vielen ihrer prominenten Kollegen selbst als Erzählerin nicht in den Vordergrund drängt – dem Leser einen schönen Abend mit einer wunderschönen Lektüre zu ermöglichen, ihm/ihr dabei eine große Freude zu bereiten und dabei vielfältige kulturelle, politische und historische Einblicke in das alltägliche Leben Irans zu geben. Chapeau!

Das Buch kostet 19,95 Euro und erschien im Ullstein-Verlag. Wer mehr wissen möchte über Jasmin Tabatabai, der sei auf ihre Webseite verwiesen.

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