Europaparlament fordert Stopp der Zerstörung der Altstadt Kashgars – Erdbeben-Sicherheit contra Menschenrechte: China will kulturelle Identität der Uiguren durch „Sanierungsmaßnahmen“ zerstören

Seit Februar 2009 wird der Jahrhunderte alten Stadtkern Kashgars in der Provinz
Xinjiang niedergerissen, um dort vermeintlich erdbebensichere Wohnblocks zu errichten.
Ziel dieser „Sanierung“ mit dem Bulldozer ist die Zerstörung der kulturellen Identität der dort lebenden Uiguren. Außerdem soll die Kontrolle über die Uiguren verschärft werden, da Uiguren immer wieder Chinas Herrschaft im Nordwesten der Volksrepublik in Frage stellen.

Rund 70 Prozent der mehrere hundert Jahre alten Altstadt Kashgars, die als „Kairo des Ostens“ und als einzigartiger Kulturschatz Zentralasiens gilt, sind seit Februar 2009 im Zuge der „Sanierung“ niedergerissen worden. Das Europaparlament forderte in einer Resolution am Donnerstag vergangener Woche einen sofortigen Stopp der Zerstörung. China müsse der Einsetzung einer Expertenkommission zustimmen, und die Möglichkeiten zum Erhalt und die Restaurierung des einzigartigen Stadtkerns prüfen, verlangen die Europaparlamentarier. Außerdem fordern sie ein Ende der Zwangsumsiedlungen von Uiguren sowie eine angemessene Entschädigung für alle Opfer der Sanierungsmaßnahmen.

Im Februar 2009 hatten die chinesischen Behörden angekündigt, in den folgenden fünf Jahren rund 200.000 Bewohner der Altstadt Kashgars in so genannte erdbebensichere Wohnblocks umzusiedeln. Lebten bislang in der Altstadt fast ausschließlich Uiguren, so sollen in den neuen Blocks Uiguren gemeinsam mit Han-Chinesen untergebracht werden. So will China langfristig die ethnische Struktur der bislang noch am meisten uigurisch
geprägten Stadt im Nordwesten des Landes verändern. Nur 15 Prozent der oft 400 bis 500 Jahre alten Häuser sollen zur Förderung des Tourismus in einem Freilichtmuseum erhalten bleiben. Doch das einzigartige Stadtbild wird willkürlich zerstört, da es nicht aus einzelnen Häusern besteht, sondern aus dem Gesamtbild hunderter alter Gebäude.

Chinas Behörden begründen die Zwangsumsiedlung mit der Erdbebengefahr im äußersten Nordwesten der Volksrepublik. Ein fragwürdiges Argument, da die aus Holz und Lehm errichteten historischen Gebäude bereits Dutzende Beben unbeschadet überstanden haben. Chinesische Statiker halten die alten Häuser in Kashgar sogar für besonders erdbebensicher, da die Holzträger Erdstöße abpuffern. Für die neuen Wohnblocks gilt dies jedoch nicht. Ihre Konstruktion ist so ungenügend, dass zuletzt im Mai 2008 bei einem Erdbeben in der Provinz Sichuan rund 90.000 Menschen durch zusammenstürzende Häuser ums Leben kamen.

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