Megaprojekt in West-Papua zerstört Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung

Die indonesische Regierung plant in Merauke in der Region West-Papua ein gigantisches Land- und Energiewirtschaftsprojekt, bei dem ca. 1,6 Mio. Hektar Regenwald riesigen Plantageflächen weichen müssen. Bei dem sogenannten „Merauke Integrated Food and Energy Estate“ (MIFEE) beteiligen sich sowohl nationale als auch internationale Investoren. Gemäß dem Slogan „Ernähre Indonesien und dann die Welt“ soll Indonesien der größte Nahrungsmittelproduzent der Welt werden und das Projekt die Nahrungsmittel- und Energiesouveränität Indonesiens garantieren. Für dieses Projekt müssten allerdings über 1 Mio. Hektar intakter Regenwald abgeholzt werden, der die Lebensgrundlage für die indigene Papuabevölkerung darstellt. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene werden kritische Stimmen gegen das geplante Projekt laut.


Eingeführt wurde das Projekt im Januar 2010 durch Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono. Grundlage für MIFEE bildet das Gesetz zum „Schutz von Gebieten für Nachhaltige Landwirtschaft“ von September 2009. Von den über 30 Investoren besitzen bereits sechs eine Lizenz, die ihnen eine langfristige Landnutzung ermöglicht. Das Unternehmen Medco Foundation betreibt sogar ein Forschungszentrum, welches das Projekt unterstützt . Durch den Anbau von Reis, Mais, Soja, Rohrzucker und Ölpalmen soll sich Indonesien zu einem der international wichtigsten Exportlieferanten von Nahrungsmittel- und Energieprodukten entwickeln. Außerdem werden Arbeitsplätze geschaffen und die verarmte Region wird durch Großinvestoren belebt. Auf lange Sicht ist die Entstehung von Ausbildungszentren für die einheimische Bevölkerung geplant, in denen diese die Techniken für den landwirtschaftlichen Anbau lernen können. Bereits 2012 werden die ersten Ernten erwartet.

Benötigt wird eine Anfangsfinanzierung von ca. 6 Milliarden US-Dollar. Im Januar dieses Jahres stellte die indonesische Regierung 110,34 Mio. US-Dollar bereit, um die Basisinfrastruktur für das Projekt anzulegen. Diese besteht zunächst aus Farmen, Bewässerung, Straßen und Energieversorgungssystemen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass bereits zwei Unternehmen der PT Rajawali Corporatio Genehmigungen zum Abholzen erhalten haben.

Viele nationale und internationale NGOs zeigen sich besorgt über das Projekt in Merauke und machen auf die drohenden ökologischen und sozialen Folgeschäden von MIFEE aufmerksam. Kritik äußert hierbei auch die indonesische Umweltorganisation Greenomics, die beklagt, dass für das Projekt immense Flächen Regenwald abgeholzt werden müssen. Durch die Rodung des Regenwaldes werde die biologische Vielfalt West-Papuas zerstört. Indonesien verstoße außerdem gegen sein Versprechen, Wälder zu schützen, damit der Kohlendioxid-Ausstoß vermindert werde, kritisiert Greenomics Direktor Elfian Effendi.

Auch in Merauke selbst befindet sich ein einzigartiges Ökosystem mit noch großen, zusammenhängenden intakten Wäldern. Wenn die Regenwälder abgeholzt werden, drohe das gesamte Ökosystem von Merauke zu kollabieren. Des Weiteren besteht die Gefahr einer massiven Umweltverschmutzung durch Pestizide, Düngemittel oder geplante Fabriken. Hinzu kommt die seit Jahren vorherrschende illegale Abholzung.


Neben den ökologischen Faktoren entstehen gravierende Probleme für die lokale Bevölkerung. Die indigene Bevölkerung  hat kein Mitspracherecht in Bezug auf das Projekt und die indonesische Regierung ignoriert ihre Belange. Der Regenwald in West-Papua bietet der indigenen Bevölkerung wie den Malind einen wichtigen Lebensraum. Die Malind sind vom Regenwald und seinen Jagdgründen abhängig und leben hauptsächlich von Sago, den sie dort anbauen. Durch den Verlust des Regenwaldes verlieren die Malind ihre Lebensgrundlage, ihre heiligen Orte und Grenzen im Wald und somit ihre Identität.

Auch WWF Indonesia kritisiert die Folgen des Projekts für die Papuabevölkerung. Durch die Migration von etlichen Arbeitern aus anderen Landesteilen Indonesiens im Zuge der indonesischen Migrationspolitik gerät die indigene Bevölkerung in eine Minderheitensituation im eigenen Land. Dies kann zu Spannungen und Konflikten zwischen den Ureinwohnern und den Migranten bis hin zur Marginalisierung der Papuabevölkerung führen. Die indonesische NGO AMAN (Aliansi Masyarakat Adat Nusantara) spricht sogar von einem „strukturellen und systematischen Genozid“ an der indigenen Papuabevölkerung vor dem Permanenten Forum für indigene Angelegenheiten der Vereinten Nationen. Greenomics fordert daher die Entwicklung von MIFEE in verschiedenen Phasen, in denen zunächst mit dem Anbau auf nicht-bewaldeten Gebieten gestartet wird.

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2 Gedanken zu “Megaprojekt in West-Papua zerstört Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung

  1. Was unternimmnt eigentlich die GfbV gegen dieses Projekt? Mir kommt das Ganze vor wie unter Rubrik vermerkenswert, aber nicht wirklich wichtig – andere Dinge sind doch viel wichtiger – das sehe ich ganz und gar nicht so! Ich meine, das ist die größte Katastrophe, die unserem Planeten jetzt noch zugefügt werden kann und scheinbar ist niemand wirklich ernsthaft interessiert daran, das noch abzuwenden. Dieses verheerende Vorhaben scheint der GfbV tatsächlich nicht viel mehr wert zu sein, als eine Randnotiz, das ist zum weinen!

    • Sehr geehrter Herr Niedermayer,

      wir finden das Projekt in Merauke durchaus besorgniserregend und arbeiten zurzeit an verschiedenen Schritten, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und um zu verhindern, dass weiterer Regenwald für MIFEE abgeholzt wird. Es wurden beispielsweise schon mehrere Briefe unter anderem an die indonesische Regierung geschickt, um auf die drastischen Folgen des Projekts aufmerksam zu machen. Außerdem stehen wir in Kontakt mit mehreren Personen, um eine Zusammenarbeit in Bezug auf MIFEE aufzubauen. Im Moment arbeiten wir ferner an einem Newsletter mit Unterschriftenaktion, an der Sie sich nach der Fertigstellung gerne beteiligen können. Die GfbV ist stets bemüht, sich mit der Vielzahl an Themen ausführlich zu beschäftigen. In dem Fall von MIFEE ist es für uns jedoch schwierig, konkrete Druckmittel anzuwenden, da die Finanzierung größtenteils von Indonesien und China ausgeht. Wir informieren Sie gerne über unsere weitere Arbeit über das Projekt.

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