Die Tragödie der Mapuche – Neues Staudammprojekt in Südchile

Noch sind die Auseinandersetzungen um den Ralco Staudamm am Bío Bío Fluss nicht vergessen, da plant die chilenische Regierung bereits ein neues Großstaudammprojekt im Süden Chiles, das für Mensch, Tier und Umwelt drastische Folgen hat.

Das HydroAysén-Dammprojekt sieht vor, in der patagonischen Region Aysén, im Süden Chiles, fünf Großstaudämme zu bauen. Das 2,2 Milliarden Euro schwere Projekt des spanisch-chilenischen Konsortiums Endesa-Colbun wird von der Regierung als elementar für das wirtschaftliche Wachstum Chiles deklariert. Der Dammbau hätte jedoch nicht nur Einfluss auf den Lebensraum von Tieren, sondern auch auf den von Menschen. So sollen mehr als 25 indigene Gemeinden direkt von den, für die Transportwege geplanten Überlandsleitungen sowie 60 Meter hohen Masten, betroffen sein. Die Überlandsleitungen dienen zum Transport des Stroms von den Wasserkraftwerken in den Norden des Landes. Nicht zum ersten Mal verstößt die chilenische Regierung damit gegen die Konvention 169 der ILO. Diese besagt, dass indigene Völker bei derartigen Projekten als vollständig (vor)informierte Partner in alle Entscheidungen mit einbezogen werden müssen (Free Prior Informed Consent). Seit Oktober 2010 treffen sich daher Mapuche aus 30 verschiedenen Gemeinden der Regionen IX, X, XI und organisieren ihren „Feldzug“ gegen HydroAysén. Antonio Kadin, Sprecher einer Mapuche-Vereinigung gegen das Staudammprojekt, betonte:„Wir werden die Errichtung der Strommaste auf keinen Fall zulassen“.

Umweltschützer befürchten außerdem eine erhebliche Beeinträchtigung für die Umwelt und die darin lebenden Tieren. So sollen über 6000 Hektar einzigartiger Natur überflutet werden, wodurch ganze Flusstäler für immer verschwinden würden. 90 ökologische Schutzzonen, darunter sechs Nationalparks sollen von den Überlandsleitungen durchzogen werden. Als besonders gefährdet gilt Chiles Wappentier, der Huemul-Hirsch. Des Weiteren hätte der Bestand der Araukarie, der sog. Baum der Mapuche, unter den Folgen des Staudammprojekts zu leiden. Auch das in der Region am besten geeignete, landwirtschaftliche Anbauland wäre durch die Überflutungen nicht mehr nutzbar.

Kritiker und Umweltschützer weisen darauf hin, dass anstatt der umstrittenen Wasserkraft ebenso auf andere erneuerbare Energien zurückgegriffen werden könnten, wie beispielsweise Photovoltaik in den Wüsten oder Windräder an der Pazifikküste. Zudem stellt sich die Frage, wer Nutznießer dieses Projektes ist. Der aus dem Dammprojekt zu gewinnende Strom würde zu einem Großteil in den Norden zu großen ausländischen Bergbaufirmen fließen und nicht für den Otto-Normal-Verbraucher zur Verfügung stehen.

Umfragen zeigen, dass über die Hälfte der chilenischen Bevölkerung sich deutlich gegen das Projekt aussprechen. In den letzten Wochen haben darum überall in Chile Demonstrationen stattgefunden, bei denen zehntausende Menschen ihre Ablehnung gegen den Staudammbau zum Ausdruck brachten. Die Polizei trat dabei den meist friedlich Demonstrierenden mit heftigen Repressionen entgegen.

Für heute, den 20.Mai, sind Protestmärsche in ganz Chile angekündigt und auch in Deutschland ist zu Demonstrationen vor der chilenischen Botschaft in Berlin und dem Honorarkonsultat in Köln/Bonn aufgerufen.

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