Das Schweigen der Unschuld von Somaly Mam – Kinderprostitution in Kambodscha

Es ist ein unglaublich bedrückendes Buch. Die Sätze sind einfach, die Sprünge in Raum und Zeit manchmal unverständlich, Unklarheiten werden oft nicht erklärt. Doch das ist Nebensache, denn dieses Buch ist so ehrlich und direkt, dass es keiner geschönten Sprache bedarf.

Die Autobiographie „Das Schweigen der Unschuld“ erzählt die Lebensgeschichte der Autorin Somaly Mam, die in unvorstellbarer Armut als Angehörige der Phnong, einer ethnischen Minderheit Kambodschas aufwächst. Sie wird von ihrer Familie verkauft und muss mit 15 Jahren als Kinderprostituierte in einem Bordell in Phnom Penh arbeiten. Acht Jahre verbringt sie in dieser Hölle. Dann lernt sie Pierre kennen, einen Franzosen, der sich in sie verliebt und mit dem sie nach Frankreich geht. Nach ihrer Rückkehr nach Kambodscha gründet sie die regierungsunabhängige Organisation Afesip (Agir pour les Femmes en Situation Précaire – Handeln für Frauen in Not). Die Afesip bekämpft Ursachen und Folgen sexueller Ausbeutung, das Ziel ist die Befreiung und die gesellschaftliche Wiedereingliederung der Betroffenen und die Eindämmung des Menschenhandels. Mam und ihr Team befreien Mädchen aus den Bordellen und geben ihnen medizinische Versorgung, eine Ausbildung und ein sicheres Zuhause.

Somaly Mam erzählt von den Umständen, die sie in den Bordellen vorfindet, von den Qualen die die jungen Mädchen und Frauen durchmachen müssen.
Sie berichtet von jungen Mädchen, die ohne Betäubung zugenäht werden, um wieder als Jungfrauen verkauft werden zu können, von Zuhältern, die die Mädchen zwingen lebende Maden zu essen, von Mädchen, denen Nägel in die Köpfe geschlagen werden, jungen Frauen, die an Rinnen, durch die Toilettenabflüsse fließen, gekettet werden, von Mädchen, denen von ihren Freiern die Brust abgebissen wird, von Vierjährigen, die von ihren Eltern verkauft werden, von Folterungen und grausamen Schmerzen.
Sie beschreibt die Hilflosigkeit, die einen überkommt wenn man in einem Land, das von Korruption regiert wird, versucht, für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Sie berichtet von einem Mädchen, das vor seinen Zuhältern fliehen kann, bei der Polizei Hilfe sucht und von den Polizisten wieder zurück ins Bordell gebracht wird. Sie erwähnt die Erniedrigung, die sie spürt wenn sie bei den großen Institutionen um Geld oder Unterstützung bittet und abgewiesen wird.
Immer wieder verdeutlicht sie, dass sie eine von ihnen ist. Eine von denen, die die Hölle durchmachen mussten und auf die so oft herab geguckt wird. Sie lässt nicht aus, wie oft sie mit sich selbst hadert, wie oft sie aufgeben will, wie oft sie von Weinkrämpfen geschüttelt die Vergangenheit nicht bewältigen kann.
Doch was sie für eine Kambodschanerin so außergewöhnlich macht – sie schweigt nicht. Auch wenn sie und ihre Familie täglich bedroht werden, kämpft sie immer weiter.

Dieses Buch hat mich sehr berührt. An einer Stelle schildert Mam „was da in Kambodscha passierte, in diesem netten kleinen Land, das für sein Lächeln berühmt ist“ und fragt weiter „Doch was für ein Lächeln soll das sein?“
Ich habe selber sechs Monate in Kambodscha verbracht – und mich in das Land des Lächelns verliebt. So freundlich sind die Menschen, so lebensfroh und optimistisch. Doch Mam zeigt eine der dunkelsten Seiten Kambodschas auf, den Menschenhandel. Unverblümt und unbeschönigt, so dass beim Lesen schon mal die Tränen kommen. Das Buch macht traurig – aber auch wütend. Wütend, dass es immer die Schwächsten am schlimmsten trifft, die die sich nicht wehren können. Dass so etwas unter den Augen der Weltgemeinschaft passieren kann, weil Geld immer noch die Welt regiert. Aber es macht auch Mut – zeigt, dass es sich trotz aller Rückschläge immer lohnt, für Gerechtigkeit und die Menschenrechte zu kämpfen.

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