Alarmierende Neuigkeiten zum Fall Leonard Peltier – Dem indianischen Bürgerrechtler geht es immer schlechter

Robert R. Bryan

Mehr als sein halbes Leben ist der indianische Bürgerrechtler Leonard Peltier jetzt schon in Haft für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. „Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst“, erzählte uns Robert R. Bryan, Peltiers neuer Hauptanwalt, als wir uns am 26. Mai in Berlin trafen. Eine neue Kampagne muss nun endlich zu einer Begnadigung des Bürgerrechtlers führen, wenn der 66-Jährige noch eine Chance auf einen Lebensabend in Freiheit haben soll.

Robert R. Bryan ist mit Ko-Anwältin Nicole Gibier nach Berlin gekommen, um dort mit Bundestagsabgeordneten über den Fall Peltier zu sprechen. Wir haben ihn außerdem zu einem Treffen im Berlinbüro der GfbV eingeladen, um mit ihm über neue Initiativen zu beraten, wie man Leonard Peltier am besten helfen kann. Wir, das sind Yvonne und Charlotte aus dem Göttinger GfbV-Büro, Judith und Hasan aus dem Berliner Büro, Claus Biegert (Fachmann für Menschenrechte der Indianer Nordamerikas, Journalist und Buchautor), Jacqueline Roussety (Schauspielerin und Autorin), Andreas Hoppe (Schauspieler – bekannt auch als Tatortkommissar), Michael Koch von der der Takota – Leonard Peltier Support Group Rhein Main e.V. sowie Jutta Schwengsbier (freie Journalistin).

v.l.n.r. J.Roussety, M.Koch, N.Gibier, R.Bryan, Y.Bangert, C.Keefer

Anwalt Bryan hat Peltier zuletzt vor zwei Wochen besucht. „Von Besuch zu Besuch wirkt Leonard schwächer!“, erzählt er. Im vergangenen Jahr wurden Symptome bei Peltier festgestellt, die auf Prostatakrebs hinweisen. Nach einer lang verschleppten ärztlichen Untersuchung wurde im Februar 2011 endlich eine Biopsie durchgeführt. Erste Ergebnisse bestätigen den Krebsverdacht zwar nicht, dennoch besteht kein Grund zur Entwarnung, da die Ursache für die Symptome immer noch nicht bekannt ist. Peltier leidet außerdem an Diabetes und hat starke Herz-Kreislauf-Beschwerden. Seit einem Schlaganfall, den er vor einigen Jahren erlitt, ist er auf einem Auge fast erblindet. Bryan prangert die schlechte medizinische Versorgung im Gefängnis an: „Die Inhaftierung und medizinische Vernachlässigung Peltiers sind nicht nur ein Verbrechen an Peltier selbst, sondern auch ein Verbrechen an allen Native Americans.“. Bryan betonte ausdrücklich, dass Peltier seinen Kampf für Gerechtigkeit nicht für sich als Einzelperson durchführe. Mit ihm sollen alle Native Americans Freiheit und Gerechtigkeit erfahren. Diese leiden in den USA noch immer stark unter Diskriminierung und Missachtung. So zeigen Statistiken beispielsweise eine Arbeitslosenrate in den Lakota-Reservaten in Nord- und Süd-Dakota von 70 bis über 90 Prozent.

„Peltier ist unschuldig und verdient Freiheit!“. Mit diesem Motto reist Bryan derzeit durch Europa, um Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen, das für eine internationale „Free-Peltier-Kampange“ genutzt werden kann. Es bestehen zwei Möglichkeiten, wie Peltiers Freiheit erlangt werden könne: Zum einen die Wiederaufnahme des Verfahrens, zum anderen die Begnadigung durch Barack Obama. Aufgrund von Peltiers miserablem Gesundheitszustand sei jedoch letzteres derzeit die anzustrebende Option, da das Verfahren für eine Wiederaufnahme des Falles, selbst mit positivem Ergebnis, mehrere Jahre dauern könne.

Das größte Problem ist momentan die Finanzierung der Verteidigung. Für neue Zeugenvernehmungen muss Bryan, ansässig in San Francisco, weite Strecken mit dem Flugzeug zurücklegen. Diese müssen oft wegen Geldmangel aufgeschoben werden. Die Anwaltschaft finanziert sich zum größten Teil aus Spenden. Deshalb ist auch eine Fundraisingkampagne für Peltier dringend notwendig. Zurzeit, so Bryan, „verschleudert“ Peltier, der in der Haft zu einem hochgehandelten Maler wurde, seine Bilder weit unter Preis, um Geld für seine Verteidigung zu beschaffen.

Anwalt R. Byan mit Andreas Hoppe

Bryan setzt auf die Aufmerksamkeit in Europa. Hilfreich war darum die Anwesenheit von Andreas Hoppe und Jacqueline Roussety, die beide sehr interessiert und zutiefst betroffen waren. Sie versprachen, sich für Peltier stark zu machen.

In Bryans Besuchswoche in Berlin fanden außerdem Gespräche mit Bundestagsabgeordneten statt, die wir ihm vermittelt hatten, so auch mit Pascal Kober vom Menschenrechts-Ausschuss. Er reagierte positiv und unterstützend und betonte sein grundsätzliches Interesse an dem Thema Native Americans und deren Situation.
Wie es mit unserer “Free-Peltier-Kampangen“ weitergeht, werden wir an dieser Stelle immer wieder berichten.

Spenden können Sie jetzt schon, und zwar direkt an den Förderverein für bedrohte Völker:

Stichwort „Leonard Peltier“
Konto-Nr. 74 00 201
BLZ 200 100 20
Postbank Hamburg

Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an das LPDOC (Leonard Peltier Defense Offense Committee)

Weitere Informationen zum Thema Leonard Peltier:
https://gfbvberlin.wordpress.com/2011/05/02/leonard-peltier-beruft-robert-r-bryan-zu-seinem-hauptverteidiger/
http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=2117&highlight=peltier
http://www.whoisleonardpeltier.info/newsletter20081106.htm

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Ein Gedanke zu “Alarmierende Neuigkeiten zum Fall Leonard Peltier – Dem indianischen Bürgerrechtler geht es immer schlechter

  1. Am 4.2. war ich leider selbst nicht in Berlin, aber was machen wir jetzt? Noch immer ist Leonard Peltier nicht frei. Gibt es neue Aktionen in Berlin? Mit freundlichen Grüßen

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