Menschenrechte im Unterricht – das Lehrerbuch

Wie können wir Kindern und Jugendlichen Menschenrechte vermitteln? Diese Frage ist dringend – denn kaum ein Deutscher kann mehr als drei Menschenrechte benennen (hier gibt’s sie alle zu lesen: in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte). Daher geht ein großer Dank an den Horlemann Verlag, der sich mit der Edition Menschenrechte diesem Bildungsaspekt angenommen hat. In diesem nun vorliegenden Lehrerbuch finden interessierte Lehrer verschiedene Impulse, wie sie Menschenrechte in den Unterricht einbinden können.

Die zentrale Frage dieses Lehrerhandbuches ist es, die Bedeutung von Menschenrechtsbildung herauszustellen und Pädagogen eine erste Hilfestellung für den praktischen Schulunterricht zu geben. Ich selber wurde durch meinen damaligen Religionslehrer dauerhaft geprägt, als er mit uns ein Buch las über Jugendliche, die zu amnesty international stießen und sich für gewaltlose politische Gefangene einsetzten. Vieles von dem Gelesenen fand ich dann Jahre in meinem eigenen Menschenrechts-Engagement wieder. Damals aber gab es noch kein breit angelegtes Verlagsprogramm wie die „Edition Menschenrechte“ des Horlemann-Verlags. Übrigens bin ich meinem früheren Religionslehrer durchaus dankbar. Denn in diesem Lehrerhandbuch „Menschenrechte im Unterricht“ wird mein subjektiver Eindruck von damals durchaus auf einer deutschlandweiten Ebene bestätigt: Menschenrechte werden von vielen Menschen als wichtig erachtet, aber kaum einer „genoß“ Menschenrechts-Bildung. Und die wenigen, bei denen explizit Menschenrechte stattfanden im Unterricht, hatten das Glück engagierter Lehrer. Dazu passt, dass nur vereinzelt engagierte Menschen vor Ort in Schulen und Kirchengemeinden gehen und dort über ihr praktisches Engagement berichten. Ich hatte selbst zweimal das „Glück“ (während meines Zivildienstes, als ich durch die Spätschicht morgens „frei“ war), in Schulen über die praktische Menschenrechtsarbeit zu erzählen (ob dieses „Glück“ allerdings auch von den Schülern geteilt wurde, mich als Vortragenden zu haben, weiß ich nicht mehr).

Nun bietet die Edition Menschenrechte ein relativ breites inhaltliches Spektrum an interessanten Büchern zu Folter, Todesstrafe, Kinderrechte, „Verschwindenlassen“ und Asyl (zu letzterem empfehle ich gerne das Computerspiel „Last Exit Flucht“, dass ich vor gut zwei Jahren in diesem Blog bereits vorstellte). Ich selber finde dieses Lehrerhandbuch sehr interessant. Es gab mir die Gelegenheit, über die Vermittlung dieses abstrakt anmutenden Themenkomplexes nachzudenken und einige praktische Anregungen mitzunehmen. Allerdings bin ich kein Pädagoge, kann daher nicht abschließend beurteilen, wie hilfreich dieser Band tatsächlich ist. Aber ich wünschte mir für Neuauflagen, dass es eingangs ein Inhaltsverzeichnis gibt, mit der auf einen ersten Blick die Struktur offensichtlich wird. Die methodisch-didaktischen und weiterführenden Anregungen in den einzelnden Kapiteln fand ich jedenfalls für den Einstiegt sehr sinnvoll (wer sich für weitergehende Unterrichtsmaterialien interessiert, werde fündig beim Bildungsserver, bei amnesty international und dem Institut für Friedenspädagogik in Tübingen).

Hoffentlich finden interessierte Pädagogen durch diesen empfehlenswerten Band einen systematischen Ansatz, innerhalb ihrer Schule Menschenrechtsbildung fächer- und jahrgangsübergreifend einzuführen und nachhaltig zu vermitteln. Wünschenswert wäre es.

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