Deutsche Schüler gegen Bau von Atomkraftwerken in der Türkei

Das Thema Kernkraft ist mit dem geplanten Atomausstieg Deutschlands noch lange nicht zu den Akten gelegt. In vielen europäischen und nicht-europäischen Ländern wird trotz der Katastrophe von Fukushima Anfang 2011, nicht über den Wechsel zu erneuerbaren Energien nachgedacht – im Gegenteil – viele planen den Bau von neuen Atomkraftwerken. Obwohl Deutschland dem Wunsch der Bürger mit der Umstellung auf alternative Energien nachkommt, sind viele Deutsche weiterhin besorgt. Vor allem junge, nachdenkliche und neugierige Köpfe äußern ihre Ängste und Sorgen und wollen Stellung nehmen zu einem Thema, das nicht nur Erwachsene betrifft.

So auch die Schüler und Schülerinnen der Geschwister-Scholl-Gesamtschule aus Lünen. Im Englischunterricht befassten sie sich mit der Katastrophe in Fukushima und diskutierten dabei unter anderem über den geplanten Bau von drei Atomkraftwerken in der Türkei in den Städten Akkuyu (Prvinz Mersin) und Sinop sowie in der Provinz Tekirdag, die alle drei von Erdbeben bedroht sind. Die Stadt Akkuyu ist beispielsweise nur 20km vom Ecemis-Graben entfernt und liegt damit in einer seismisch aktiven Zone, in der 1999 bei einem schweren Erbeben der Stärke 7,8 an die 20.000 Menschen ums Leben kamen. Medienberichten zufolge haben seit Anfang des Jahres an die 700 Einwohner die Stadt Akkuyu verlassen, da sie mit dem riskanten Bau des Atomkraftwerks und möglichen Unfällen, um ihr Leben fürchten.

Schüler aller Alterstufen wunderten sich über die Entscheidung des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, des Staatspräsidenten Abdullah Gül und des Ministers für Energie und natürliche Ressourcen Taner Yilmaz und ihre Reaktionen waren in nahezu allen Klassen gleich. Viele sorgten sich um ihre Familienmitglieder und Freunde in der Türkei oder um die ihrer Mitschüler. Dabei stand eine Frage im Mittelpunkt:„Warum trafen Erdogan und Yilmaz eine solch riskante Entscheidung?“. Der Bau der Atomkraftwerke ist nicht nur für die Einwohner der betroffenen Städte gefährlich, sondern für die ganze Türkei und darüber hinaus ganz Europa. Noch allzu nah ist die Erinnerung an Tschernobyl und dessen Auswirkungen, auch für die Deutschen.

Nachdem im Unterricht die Frage der Schüler nicht beantwortet werden konnte, wollten sie sich nun direkt an die Entscheidungsträger in der Türkei wenden. Am 12. Juli fand dazu eine Aktion an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule statt, bei der Schüler aus verschiedenen Klassen zunächst Briefe an den türkischen Minister- und Staatspräsidenten verfassten und dann in einem Demonstrationslauf zum Fluss Lippe mit Gasmasken und Plakaten auf ihre Besorgnis über den Bau der Atomkraftwerke aufmerksam machten. Anschließend wurden Blumen mit Botschaften ins Wasser geworfen.

Mit den Gefahren von Atomkraftwerken, den bei dem Uranabbau entstehenden Abraum und der Endlagerung des Atommülls beschäftigt sich auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Oft leiden darunter Menschen, die keine oder nur wenige Möglichkeiten haben, sich dagegen zu wehren. So wurden beispielsweise im Januar 2011 in der Osttürkei, wo sich viele kurdische Siedlungsgebiete befinden, erhöhte radioaktive Werte gemessen. Auch sei in diesem Gebiet eine erhöhte Krebsrate festgestellt worden. Man vermutet, dass die Strahlung aus dem nahe der türkischen Grenze gelegenen armenischen Atomkraftwerk Medzamor stammt. Für die kurdischen Minderheiten ist diese Nachricht besonders dramatisch, da sie bereits in der Vergangenheit von den türkischen Regierungen systematisch vernachlässigt wurden.

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