Die Gier nach Rohstoffen bedroht peruanisches Reservat für isoliert lebende Indigene

eddypedro, flickr.com

von Leif Höfler

Die indigene Vereinigung zur Entwicklung im peruanischen Regenwald AIDESEP meldete am Montag den 08. August 2011, dass der argentinische Ölkonzern Pluspetrol damit begonnen hat, die Expansion des Camisea Gas-Projekts im Kugapakori, Nahua und Nanti-Reservat für in freiwilliger Isolation lebende Indigene voranzutreiben. Pluspetrol entsandte ein Team in das Reservat im Süden des Landes, das dort unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Untersuchungen zu geplanten Erdölförderungen angestellt hat. Den ansässigen Indigenen vom Stamm der Nahua wurde erzählt, die Untersuchungen würden lediglich der Überwachung der Tierwelt dienen. Rückendeckung erhielt das Forscherteam von dem Gemeindebürgermeister und dem Nationalen Institut für die Entwicklung der Anden- , Amazonas- und Afroperuanischen Völker INDEPA, das Teil des Kulturministeriums ist. Die Nahuas lenkten ein und erfuhren erst im Nachhinein von den wahren Zielen der Expedition, die sie so natürlich niemals toleriert hätten. Denn die Nahua sind sehr besorgt um mögliche zerstörerische Einflüsse weiterer Erdöl- und Erdgaserschließungen, die den natürlichen Lebensraum im gesamten Reservat bedrohen. Das INDEPA wurde unterdessen von Menschenrechtsorganisationen und indigenen Vereinigungen heftig kritisiert. Die Folgen der Öl- und Gasförderungen würden das Leben der in Isolation lebenden Menschen gefährden und ihr Grundrecht auf Überleben untergraben.

Hintergrund: In Peru existieren derzeit 5 Reservate für in freiwilliger Isolation lebende Indigene. 4 der 5 Reservate sind jedoch mit Ölkonzessionen behaftet. Die isolierten Völker leben in Einklang mit ihrem Lebensraum im Regenwald des Amazonasgebiets und bedürfen eines intakten Ökosystems, das als ihre wichtigste Lebensgrundlage letztendlich auch ihr Überleben garantiert. Diese Völker leben in Isolation, da ihr körperliches Immunsystem gegen gewöhnliche Krankheiten wie Erkältung oder Grippe keinerlei Abwehrkräfte besitzt. Viele der heute isoliert lebenden Völker oder deren Vorväter hatten in Kontakt mit der Außenwelt traumatische Erlebnisse: Wenn sie nicht von den Eindringlingen massakriert wurden, sorgten verheerende Epidemien oftmals für das Aussterben ganzer Völker. Diese Menschen brauchen also besonderen Schutz. Der peruanische Staat spielt in diesen Angelegenheiten ein doppeltes Spiel. Einerseits gewährt er den indigen und in freiwilliger Isolation lebenden indigenen Völkern einen gewissen verfassungsrechtlichen Schutz. Andererseits verteilt er jedoch Lizenzen an investitionsstarke Konzerne, die im Amazonasgebiet Rohstoffe abbauen wollen und dabei das Leben der indigenen Völker massiv einschränken und bedrohen.

Das jetzt betroffene Reservat der Nahua, Kugapakori und Nanti fällt unter den Schutz des Gesetzes 28736 „zum Schutz indigener Völker in Isolation und in Kontaktaufnahme“, welches dem Gebiet Unantastbarkeit zusichert. Allerdings beinhaltet das Gesetz gleichzeitig eine Klausel, die den Abbau von Rohstoffen legitimiert, sobald dies vom Staat als öffentliche Notwendigkeit angesehen wird. Dieser Widerspruch ist logisch betrachtet unauflösbar, da besagtes Gesetz dem Schutz dieser Völker dienen soll und sie nun existentiell bedroht. In diesem Zusammenhang haben Menschenrechtsorganisationen auf die Begegnung der Nahua mit Fremden in den 1980-er Jahren verwiesen. Damals starb mehr als die Hälfte des gesamten Volkes. Das Reservat ist unglaublich reich an Rohstoffen und dies bedroht die indigenen Völker nun aufs Neue. Pluspetrol bestreitet unterdessen einfach die Existenz isolierter Völker in diesem Gebiet. Ein Schachzug der nur allzu leicht durchschaubar ist: Wenn es keine Menschen gibt, die es zu beschützen gilt, kann es auch nicht schaden, den profitablen Abbau von Bodenschätzen voranzutreiben.

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