Gerhard Seyfrieds „Herero“

In diesem Blog stellte ich vor einer gefühlten Ewigkeit die Einweihung eines Gedenksteins auf dem Neuköllner Garnisonsfriedhof vor. Dieser steht direkt neben dem alten „Ehrengrab“ für „tapfere Soldaten, die für Vaterland und Kaiserreich in Deutsch-Südwest ihr Leben liessen“ im Herero-Aufstand. Mit dem neuen Gedenkstein wird auch den Herero und Nama gedacht, die durch kaiserlich-preußische Truppen getötet wurden.

Nun erschien im Aufbau-Verlag Gerhard Seyfrieds Roman „Herero“, den ich an dieser Stelle gerne bespreche:
Ausgangspunkt der gemeinsamen Reise ist der Völkermord an Herero und Nama zur willhelminischen Zeit im heutigen Namibia.

Die „Deutsche Schutztruppe“ versuchte zunächst, die „afrikanischen Wilden“ zu unterwerfen, löschte sie aber letztendlich aus. Das Erstaunliche an diesem Band ist: der Autor, eigentlich als Cartoonist bekannt, erzählt in verschiedenen Handlungsträngen (ähnlich wie Uwe Timm vor ihm) die Geschichte des Völkermords in Romanform. So gelingt es dem Autoren, mit eindrücklichen Worten Zeugnis von Ausbeutung, Rassismus und Mord zu geben. Besonders bemerkenswert ist die Verbidnung von anschaulich geschildertem Kriegsalltag und der sorgsam skizzierten Schöhnheit des Landes. So nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart zu gleich. Dabei schärft Seyfried – getreu seiner zeichnenden Herkunft – den Blick für die Details der Ereignisse. Erst so kann der Leser verstehen, wie sehr die deutsche Kolonialvergangenheit das heutige Namibia prägt. So gelingt es Seyfried sehr eindrücklich, wie sich Kolonialismus und Rassismus in den Köpfen festgesetzt hatten, so dass eigentlich ganz normale Leute „den Neger“ nicht wirklich als Menschen ansahen. Glücklicherweise erspart der Autor uns Lesern dabei viele grausame Details des Völlkermords und lenkt das Augenmerk auf das, was die Menschen vor Ort daraus machten.

Der Band erschien im Aufbau-Verlag und kostet 9,95 Euro. Durchaus lesenswert für alle, die sich für Namibia interessieren. Mir persönlich lag die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde, näher als Uwe Timms „Morenga“. Aber dies ist Geschmackssache.

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