Dagestan – fast täglich „verschwinden“ Menschen

Dagestan, die Republik im Nordkaukasus, ist Schauplatz von schweren Menschenrechtsverletzungen und Gegengewalt durch den bewaffneten Untergrund. Fast täglich werden Menschen verschleppt. Familie Abusupjanov sucht nach Rizvan. Er ist schon der zweite Sohn, der in die Hände von Unbekannten gefallen ist – von Sicherheitsbeamten oder Terroristen, das ist unklar. Sein jüngerer Bruder wurde im November letzten Jahres entführt. Zwei Tage später fand man seinen Wagen. Darin seinen Leichnam mit Spuren entsetzlicher Folter. Nun hat die Familie Angst, auch Rizvan könnte gefoltert und ermordet werden

Am 27. 10. 2011 wurde Rizvan Abusupjanov, geb. 1973 in Machatschkala, der Hauptstadt von Dagestan verschleppt. Rizvan arbeitete auf dem zentralen Markt der Stadt. Er fuhr mit seinem Auto vom Markt weg und wurde von zwei Wagen gestoppt. Aus den Wagen stiegen acht Männer, sie zogen Rizvan aus seinem Auto, stülpten eine Plastiktüte über seinen Kopf und zerrten ihn in ihren Wagen. Augenzeugen versuchten sich einzumischen und die Entführung zu stoppen. Einer der Entführer jedoch setzte einem Augenzeugen die Pistole auf den Kopf und schrie: „Wenn du nicht sterben willst, hau ab!“ Dann fuhr das Auto mit Rizvan los.

Am selben Tag gegen 20 Uhr begab sich Rizvans Bruder Saadula zur zentralen Polizeiwache. Dort sagte man ihm, dass sich die Staatsanwaltschaft mit dem Problem des Verschwindenlassens befassen würde. Bei der Staatsanwaltschaft wurde er jedoch nicht vorgelassen. Um acht Uhr am 28.10. sprach Saadula Abusupjanov nochmal bei der Staatsanwaltschaft vor, wieder wurde gesagt, dass der diensthabende Staatsanwalt nicht da sei.

Der jüngere Bruder der Familie, Schejchulislam war im Oktober 2010 entführt und danach ermordet worden. Sein Leichnam, der Folterspuren aufwies, war in seinem Auto im Kreis Babajurstov in Dagestan aufgefunden worden. Die Angehörigen von Rizvan fürchten, dass auch er gefoltert werden könnten. Auch fürchten sie, dass Rizvan wie sein jüngerer Bruder ermordet werden könnte. Sie baten Menschenrechtsorganisationen, bei der Suche nach Rizvan behilflich zu sein.

Am 22. Oktober ist Gasan Murtazaliev (geb. 1966) aus dem Dorf Schamchal in der Nähe der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala verschleppt worden. Er wollte von seiner Schwester Zulejchat in der Stadt Buinaksk aus gegen 9 Uhr mit einem Taxi nach Hause fahren. Seiner Frau teilte er am Telefon mit, sie solle ihn nicht vom Taxistand abholen, sondern auf ihn warten. Um 10 Uhr rief Zulejchat Gasans Frau Raissa an und fragte, ob Gasan gut angekommen sei. Dies war jedoch nicht der Fall und Raissa bat Zulejchat, den Taxifahrer zu suchen, der ihren Mann mitgenommen hatte.
Über mehrere Umwege erfuhr die Familie Murtazaliev schließlich, dass das Taxi auf dem Weg von zwei Wagen (Lada-07 und Lada – 14) mit getönten Scheiben gestoppt wurde. Bewaffnete Männer in schwarzen Trainingsanzügen zerrten den Taxifahrer und Gasan Murtazaliev aus dem Wagen, schlugen den Taxifahrer mit ihren Gewehrkolben zusammen und bedrohten ihn. Er wurde ohnmächtig. Sie zwangen Gasan Murtazaliev in ihren Wagen und fuhren mit ihm davon. Die Familie des Entführten fragte auf Polizeistationen erfolglos nach Gasans Verbleib und wandte sich am 26. Oktober an die Menschenrechtsorganisation Memorial mit der Bitte um Hilfe bei der Suche nach dem Verschwundenen.

Die Familie des Opfers kann sich nicht erklären, weshalb Gasan entführt wurde. Er sei ein strenggläubiger Moslem. Der Bruder Gasans verschwand im Winter 2011. Die Familie hat seitdem keinen Kontakt zu ihm. Angehörige der Sicherheitskräfte hätten ihr jedoch mitgeteilt, dieser Bruder habe sich dem bewaffneten Untergrund angeschlossen. Gasan Murtazalievs Haus wurde mehrmals schon durchsucht, ohne dass die Polizei dort etwas Verdächtiges gefunden hätte.

Der russische Innenminister Nurgalijew teilte Anfang des Monats mit, die Lage in Dagestan sei nach wie vor angespannt. Seit Jahresbeginn sollen auf dagestanischem Territorium 153 „Freischärler vernichtet“ worden sein. Weitere drei kehrten zum friedlichen Leben zurück, 26 Freischärler-Stützpunkte sowie 66 Waffen- und Munitionsverstecke wurden liquidiert, 43 Straftaten terroristischer Ausrichtung wurden vereitelt. Im Vergleich zur Lage in den anderen Republiken im Nordkaukasus sei die Lage in Dagestan jedoch besonders unsicher.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s