Bolivien: Protestmarsch der Tiefland-Indigenen verhindert Straßenbau durch indigenes Gebiet. Ein nachhaltiger Erfolg?

Autor: Nico Heinzer, 18.11.11

Nachdem bolivianische Tiefland-Indigene aus Protest gegen den Bau einer Autobahn durch den Nationalpark Territorio Indígena y Parque Nacional Isiboro Sécure (TIPNIS) über zwei Monate lang von Trinidad aus in die Hauptstadt La Paz marschiert waren, hat Präsident Evo Morales das Straßenbauprojekt am 21. Oktober 2011 gestoppt. „Es wird verfügt, dass weder die Straße Villa Tunari-San Ignacio de Moxos noch irgendeine andere das indigene Territorium und den Nationalpark Isiboro-Sécure durchqueren wird“, so Morales.

Morales besichtigt das Gebiet der Indigenen vom Hubschrauber aus

Nach anschließenden Verhandlungen mit den Protestlern übernahm der Präsident auch alle 15 Punkte des Forderungskatalogs der Protestierenden und erklärte das TIPNIS-Gebiet zur „unberührbaren Zone“. Der Stopp des Straßenbaus ist ein riesiger Erfolg für die ansässigen Indigenen und den dortigen Regenwald. Die Straße, deren Bau vor allem von den Kokabauern, brasilianischen Multis aber auch der Drogen-Mafia unterstützt worden war, hätte zur Verdrängung der dort lebenden indigenen Völker und zu Rodungen in diesem ökologisch anfälligen Gebiet geführt.

Knapp ein Monat nach der Verkündung der Unantastbarkeit von TIPNIS sieht das Fazit ambivalent aus: Zwar wurden Holzfirmen und Tourismus-Unternehmen aus dem Gebiet ausgewiesen, doch Kokabauern sind weiterhin unbehelligt aktiv. Morales muss sich daher zunehmend der Kritik von indigener Seite stellen, dass er die Umsetzung des Gesetzes zum Schutz von TIPNIS nicht ernsthaft vorhabe. Ihm wird unterstellt, dass er die Kokabauern – seine grundeigene Basis – zum Widerstand animiert und sich über seine Abkommen mit den Tiefland-Indigenen hinwegsetzt.
Es bleibt also offen, ob TIPNIS im plurinationalen Bolivien, in dem die linke Regierung um Morales und die Indigenen oft unterschiedliche Ziele haben, ein nachhaltiger Erfolg für Indigene und Natur ist oder ob sich am Schluss doch wieder die wirtschaftlichen Interessen durchsetzen.

Quellen:
http://taz.de/Nach-Protesten-in-Bolivien/!80476/
http://womblog.de/bolivien-tipnis-und-kein-ende
http://www.jornadanet.com/n.php?a=70173-1

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s