Feind im eigenen Land – Reza Khalilis Autobiographie über sein Leben als CIA-Agent im Iran

Mit großer Neugierde las ich die Verlagsankündigung „Feind im eigenen Land“, dass eine Autobiographie eines CIA-Agenten bei den Iranischen Revolutionsgarden sein will. Es handelt sich um die Lebensgeschichte eines Mannes, der seine Identität bis heute geheim halten muss. Im Buch nennt er sich Reza Kahlili, mit dem CIA-Decknamen „Wally“. Der anfangs von der iranischen Revolution total begeisterte junge Mann schildert in diesem Band seinen Werdegang bis hin zum Verräter am eigenen Arbeitgeber.
Welches Risiko dabei CIA-Agenten eingehen, zeigt das jüngste Beispiel der im Iran und im Libanon aufgeflogenen Spione (siehe verlinkten Spiegel-Artikel).

Der Autor schildert dabei neben seinem eigenen Werdegang noch den zweier Freunde, die nicht gegensätzlicher hätten sein können: der eine als „nahezu verbohrter“ fanatischer Anhänger des Regimes, der andere als später hingerichtete Anhänger der Volksmuschahedin. Der Autor schildert dabei, wie die Familie des Letzteren im berüchtigten Evin-Gefängnis schrecklich gefoltert und dann ermordert wird. Er schildert aber auch die blutrünstige Steinigung einer jungen Frau und seine Front-Erfahrungen im iranisch-irakischen Krieg. Dadurch wird zwar einerseits der apokalyptische und messianische Charakter des iranischen Regimes offenbar. Was dabei allerdings auch auffällt, ist eine eher stereotype Beschreibung der Geschehnisse und wenig selbstkritische Reflektion des eigenen Handelns. In diesem Zusammenhang fand ich den im folgenden verlinkten Artikel der Washington Post (leider nur auf Englisch) sehr erhellend: hier wird Hahlili als ein sich selbst stilisierender Spion beschrieben, der sich ähnlich wie andere frühere CIA-Agenten im Vorfeld des Irak-Kriegs als Experten aufführen, aber sich dabei als Wichtigtuer entpumpen.

Im Vergleich zu Jasmin Tabatabais „Rosenjahren“ fällt dieser Bericht deutlich ab. So bleiben vieles im Vagen im Verweis auf die Zusammenarbeit mit der CIA, so zum Beispiel, wieso ein ausgebildeter Computerspezialist Briefkästen nutzen muss, um codierte Nachrichten zu übermitteln. Aber auch viele politische Zusammmenhänge wie die Rolle der Mudschahedin werden ausgeblendet. So hängen viele der als Beleg angeführten Nachrichten, die Reza Khalili anführt, im luftleren Raum. Was bleibt, ist das persönliche Plädoyer gegen ein Terrorregime, dass hoffentlich nicht mehr lange an der Macht ist. Auch wenn im Iran noch häufig Menschen gefoltert und unterdrückt werden, so ist sich der Autor sicher: «Noch ist das Regime an der Macht, aber ich glaube fest daran, dass seine Herrschaft zu Ende geht», heißt es zum Abschluss seiner bewegenden Autobiografie.

Der Band erschien im riva-Verlag und kostet 19,99 Euro. Letztlich ist dieser Band eher denen zu empfehlen, die sich näher mit dem Thema beschäftigen und ihre Weltsicht auf Iran und CIA bestätigt wissen wollen.

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