Anwalt in Dagestan / Nordkaukasus erschossen – GfbV fordert Aufklärung

Alles war anders als die offizielle Darstellung es glauben machen wollte:

Mitarbeiter der Sicherheitskräfte in Dagestan erschossen am 20.1. den Anwalt Umar Sagidmagomedow und seinen Verwandten Rasul Kurbanow. Nach offiziellen Angaben hätten Sicherheitskräfte versucht, den Wagen, in dem sich der Anwalt und sein Verwandter befanden, wegen einer Überprüfung zu stoppen. Kurbanow habe zu schießen begonnen. Die Sicherheitskräfte hätten zurückgeschossen und dabei Sagidmagomedow und Kurbanow getötet. Im Wagen habe man eine Kalaschnikow und Munition gefunden.

Die Kollegen und Verwandten des Anwalts widersprechen dieser Version der Ereignisse. Sie sagen der Menschenrechtsorganisation Memorial gegenüber aus, dass Sagidmagomedow am Abend des 20.1. seinen Verwandten Kurbanow besucht habe, dieser habe keinerlei Verbindung zu dem bewaffneten Untergrund in Dagestan. Umar Sagidmagomedow wollte sich auf den Heimweg machen und sein Verwandter begleitete ihn zur Tür, er trug nur Hausschuhe und Hauskleidung. Beide Männer standen auf dem Hof, als ein Wagen vorfuhr. Aus diesem rief jemand „Omar, Omar!“. Als Umar sich umschaute, wurde er beschossen, er fiel tot auf das Gesicht. Rasul Kurbanow wollte ins Haus zurücklaufen, wurde aber von weiteren Schüssen getroffen und starb. Zwei Personen stiegen aus dem Auto aus. Einer davon ging zu Umar und schoss ihn in den Kopf. Danach drehte er den Leichnam um und legte Granaten neben ihn.

Als er die Schüsse hörte, kam der Vater von Rasul aus dem Haus. Die Sicherheitsbeamten riefen „Alter geh zurück“ und der Vater ging wieder ins Haus. Sie liefen zu Rasuls Leichnam und versuchten, ihm Tüten mit Patronen in die Tasche zu tun, die Tüte riss auf und die Patronen rollten auf den Boden. Sie gingen zu Umars Auto und beschossen es.

Auf der Nachrichtenseite der Regierung wurde sofort betont, dass Umar Sagidmagomedow einer Anwaltskanzlei aus den Bergen angehörte, die sich „Kavkaz“ nennt. Das sollte den Verdacht nahe legen, dass sich der Anwalt für Angehörige der Kämpfer einsetzte. Anwälte werden in Dagestan immer wieder zu Opfern. In einer Todesliste, die 2009 von „Verwandten ermordeter Polizisten“ veröffentlicht wurde, standen nicht nur die Namen von Menschenrechtlern und Journalisten, sondern auch von Anwälten. Alleine 2010 wurden in Dagestan fünf Anwälte ermordet.  Viele von ihnen werden in ihrer Arbeit behindert, schikaniert und gedemütigt.

Die GfbV informierte die Organisation „Lawyers for Lawyers“ über den Mord und forderte von der russischen Justiz die rückhaltlose Aufklärung des Falls sowie die Bestrafung der Täter.

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