Aktion für in Isolation lebende indigene Völker in Paraguay – Machen Sie mit

Initiativa Amotocodie: Verfolgt für ihr Engagement für in Isolation lebende indigene Völker!Paraguays Justiz zerrt Menschenrechtsorganisation vor Gericht
CHACO Paraguay
1998 kam es in der Region Amotocodie (Departamento Boqueron) zu offener Gewalt. Die Firma Agro Chaco S.A. ließ mit Bulldozern 27.000 ha Waldland für Rinderweiden zerstören. Dort isoliert lebende Waldindianer vom Volk der Ayoreo griffen verzweifelt zur Gegenwehr mit Speer, Pfeil und Bogen. Staatlicherseits wurden deshalb Schutzmaßnahmen zugunsten der Waldindianer verfügt, die jedoch nicht konsequent eingehalten wurden.
Die NGO Iniciativa Amotocodie (IA) sammelt seit 2002 „Signale“ der für die Öffentlichkeit im Verborgenen lebenden Waldindianer und führt ein Monitoring (Gebietsüberwachung) durch. Zu den registrierten Anzeichen gehören geöffnete Bienennester, Fußabdrücke, oder sogar Sichtungen Flüchtender. Sitz der Organisation ist Filadelfia, Hauptort der Mennonitenkolonie Fernheim und Zentrale für Expansionsbestrebungen insbesondere der Rinderwirtschaft.
Seit 2005 arbeitet IA mit der Ayoreo-Organisation UNAP (Union der Eingeborenen Ayoreo von Paraguay) zusammen, die für das Überleben ihrer Brüder in den Wäldern eintritt. Das Register der UNAP / IA mit mehr als 150 Signalen der Menschen des Waldes (Stand: Mitte 2009) zeigt, dass nicht nur zwei, sondern sechs Waldindianergruppen des Ayoreo-Volkes ohne Kontakt zur kolonisierenden Gesellschaft sind. Eine davon gehört zu den Totobiegosode, einer Untergruppe der Ayoero. Die anderen wurden bisher nicht identifiziert. Sie alle leben als Nomaden vom Jagen und Sammeln, Fischfang und Gartenbau – die Aussaat in den kleinen Gärten geschieht vor der Regenzeit. Sie bewegen sich innerhalb ihres traditionellen Territoriums, das bis hinein nach Bolivien reicht.
In diesem Gebiet fanden vor allem zwischen 1966 und 1972 großräumig ethnische Säuberungen durch Missionare statt, wobei lokal ansässige Gruppen aus ihrer Heimat in die Fremde deportiert wurden. Dies fand eine Fortsetzung durch die Menschenjagden der fundamentalistischen New Tribes Mission auf die Totobigosode von 1979 und 1986.
Ab 2003 erwarb die IA strategisch Grundstücke außerhalb der Gebietsforderung der Totobiegosode, damit die Menschen des Waldes dort überleben können. Das Problem ist, dass sich der Lebensraum der isoliert lebenden Ayoreos (span. – Aislados Ayoreo) überwiegend in Privatbesitz befindet und nur z.T. Staatseigentum, wie z.B. die Nationalparke, ist.
Zur Situation im Chaco: Wer sich vehement für Indigene und deren Landsicherung einsetzt und gegen Wirtschaftsinteressen wendet, macht sich unbeliebt. Im Chaco herrscht der „große Run“ auf das Land, fast wie in den USA beim `Landrush` auf das Indianerterritorium in Oklahoma im Jahr 1893. Es geht vor allem um Profit für die Agrarindustrie, d.h. für reiche Paraguayer, Mennoniten, Brasilianer und andere Ausländer. Der nördliche Chaco wird privatisiert. Zeichen hierfür sind nicht nur die explodierenden Grundstückspreise (2004: 40 … 60 US-$/ha auf 120 US-$/ha, 2011). Auch die Erhebung privater Mautgebühren auf der zentralen von den Mennonitenkolonien in den Norden führenden Straße Tte. Montania – Madrejon fügt sich hier ein. Die nach Osten führende Straße nach Fuerte Olympo wird an mehreren Stellen durch Gatter gesperrt. Sie ist Großsammelplatz für Schlachtrinder. Pausenlos donnern Viehgroßtransporter über die Erdstraßen und wirbeln in der Trockenzeit gigantische Staubfahnen auf. Früher wurden die Rinder zum Schlachten in den Süden gebracht. Heute bleiben sie in der Kolonie Menno im Frigo Chorti, dem einzigen Schlachthaus des Chaco, der täglich 900 Rinder im Akkord verarbeitet. Diese Leistungsfähigkeit verlangt ständig neue Rinder und die brauchen Weideflächen. Täglich werden deshalb in der Trockenzeit Waldflächen von bis zu 1.500 Fußballfeldern (= ca. 12 km²) gerodet (2009: 2.750 km²). Das Instituto Forestal Nacional (INFONA) erteilt den (Groß)Grundbesitzern die Erlaubnis, Wälder nach Plan zu bewirtschaften (Anm.: d.h. zu roden). Diese Erlaubnis ist Grundlage für die Lizenz des Umweltministeriums gemäß „Umweltverträglichkeitsprüfung“.
Der Fall der Initiative Amotocodie (IA): Am Mittwoch, dem 1. Dezember 2010 drangen paraguayische Staatsanwälte und bewaffnete Polizei in die Büroräume der IA ein. Sie kamen durch ein Fenster an der Rückseite des Gebäudes und nahmen die überwiegende Mehrzahl der Dokumente und Computer mit. Der Überfall geschah kurz nachdem die IA sich erfolgreich gegen eine internationale wissenschaftliche Expedition in eine abgelegene Gegend von Paraguay eingesetzt hatte, die von unkontaktierten indigenen Gruppen der Ayoreo bewohnt wird. Aufgrund nationaler und internationaler Proteste wurde die Expedition in letzter Minute ausgesetzt. – Die IA war aufgrund ihres Einsatzes für die Ayoreo / Aislados zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Unter anderem hatte sie 2004 in der Region Amotocodie die Chaco-Auto-Rally verhindert und 2007 eine internationale Kampagne gegen die Rodungen der UMBU S.A. durchgeführt (24.000 ha). 2009 gab es mehrere Beiträge in der Öffentlichkeitsarbeit, die sich gegen die Interessen der Großagrarwirtschaft richteten. 2010 wurde dann die Expedition britischer und paraguayischer Naturschutzinstitutionen nahe der bolivianischen Grenze verhindert. Ausschlaggebend hierfür war die Hinzuziehung und Intervention des Generalsekretärs der Kommission für Menschenrechte der Organisation Amerikanischer Staaten an das paraguayische Außenministerium.
Hatte schon die Aktion gegen die UMBU S.A. Drohungen zur Folge, führten die im November 2009 erfolgten Aktivitäten zu weiteren Angriffen gegen die IA. Hier zu gehören der Rundfunkbeitrag vom 5. November 2009 „Der Gran Chaco – Billigland und abgebrannt“ (ausgestrahlt bei „radio onda“ in der Magazinsendung onda-info und von freien Radios übernommen: http://www.npla.de/onda/content.php?id=974), aber auch Interviews für deutsche Umweltorganisationen. Benno Glauser hatte darin seine Besorgnis über die Entwaldung des Chaco geäußert und vorgeschlagen, die Methoden der Fleischproduktion so zu regeln, dass weitere Abholzung verhindert werden kann. Die dann am 18.11.2009 im Nationalkongress der paraguayischen Öffentlichkeit übergebene – mit UNAP erstellte – Dokumentation „El Caso Ayoreo“ (Der Fall Ayoreo) war wie ein Stich in das Machtgefüge der Agrarlobby und ihrer Verbündeten. In ihr beschreiben die bereits kontaktierten Ayoreo zusammen mit der IA neben der heutigen Situation, auch die nie erwähnten und ungesühnten Menschenrechtsverletzungen. Die Organisation der bereits kontaktierten Ayoreo macht darin auch den Anspruch des Ayoreovolkes auf das ihnen vor nur fünfzig Jahren weggenommene Territorium publik. Danach begann Anfang 2010 eine regelrechte Hetzkampagne (u. a. durch Rundfunk, Zeitung ABC, Mennoniten, paraguayische Naturschutzorganisation Guyra Paraguay) gegen die IA. Die Angriffe gipfelten in körperlicher Gewalt gegenüber den Mitarbeitern/innen der IA durch Mennoniten und führten schließlich zur Verfolgung der IA durch die Staatanwaltschaft zwecks Anklage vor Gericht! Parallel dazu hat man versucht, die Ayoreo-Organisation UNAP zu schwächen und zu spalten.
Die Unterstützergruppe Grupo de Apoyo a Iniciativa Amotocodie / GAIA (www.gaia-amotocodie.org) wurde im Juni 2011 von engagierten Institutionen und Personen der paraguayischen Zivilgesellschaft gegründet. GAIA setzt sich aktiv für die IA ein und wirkt für die mit dem Verfahren in Frage gestellten Menschenrechte. Inzwischen zählt GAIA auch Organisationen und Einzelpersonen anderer Länder zu seinen Mitgliedern. Wir laden Einzelpersonen und Institutionen ein zur Solidarität mit den Mitgliedern der Iniciativa Amotocodie Benno Glauser, Miguel Angel Alarcon, Rosa Castillo und Sonia Kang Jieun sowie zur Stärkung der Verteidigung der Menschenrechte ein. Es hat sich herausgestellt, dass alle Anklagepunkte, die vom Staatsanwalt Brusquetti vorgetragen worden waren, als unbegründet ausgeschlossen wurden.
Bitte schließen sie sich der GAIA an. Sie ist von großer Wichtigkeit, weil ihre aktiv bekundete Solidarität der verfolgten IA Kraft gibt und insbesondere deshalb, weil Kreise der paraguayischen Zivilgesellschaft auf diesem Weg ihrer Besorgnis über die Justizwillkür und auch darüber, dass der Staat Menschenrechtsorganisationen wie IA nicht aktiv schützt, Ausdruck geben. Denn dadurch wird – z. B. in diesem Fall – die Schutzfunktion geschwächt, welche die IA zugunsten der ohne Kontakt lebenden indianischen Gruppen wahrnimmt. Kräfte, die für die Gesellschaft und ihre Zukunft von vitaler Bedeutung sind, gehen verloren.
Bernd Wegener – Freunde der Naturvölker e.V. www.naturvoelker.org

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