Russland vor den Wahlen: Indigene werden wie Leibeigene behandelt, einige Dörfer drohen mit Wahlboykott

Wie Leibeigene würden Angehörige der indigenen Völker der Russischen Föderation gehalten, klagte Pavel Suljandziga vom Vorstand der Dachorganisationen der indigenen Völker des Russischen Nordens, Ostens und Fernen Ostens RAIPON auf dem elften Kongress der Völker Russlands am 24. Februar in Moskau. Das Land, wo sie jagen und Rentiere züchten, die Flüsse und Küsten, wo sie immer gefischt haben, wurde zu Auktionen frei gegeben. Sie müssen mit Investoren um diese Güter konkurrieren und ziehen immer den Kürzeren. Die neuen Besitzer zeigen den Dorfgemeinschaften das Papier, das sie als Eigentümer ausweist und sagen: „Das ist jetzt mein Territorium. Alles, was ihr hier fangt, müsst ihr mir abgeben!“ Die Indigenen müssen Folge leisten. Sie tauschen Fisch und Wild gegen Salz, Zucker und Werkzeug, um überhaupt überleben zu können. „Wenn das keine Leibeigenschaft ist, wie soll man es sonst nennen?“, fragt Pavel Suljandziga. Die russische Regierung wie auch die Regierungen in den Regionen, wo die indigenen Völker leben, denken man könne sie und ihre Existenz auf Lieder, Tänze und Festivals reduzieren, anstatt ihr Land zu schützen.

Einige Gemeinden haben nun vor den Präsidentschaftswahlen am Sonntag zum Wahlboykott aufgerufen, wenn ihre Forderungen nicht umgesetzt werden. Im Dorf Ivanskoe im Bezirk Selemdschinskoje in der Region Priamurye soll in zwei Flüssen nach Gold gesucht werden. Die Flüsse fließen durch das Dorf und sind für den Fischfang wichtig aber auch als Trinkwasserquelle. Die Dorfbewohner fürchten, dass sie verschmutzt werden könnten und die Fischer sterben könnten, wenn hier tatsächlich die Goldförderung beginnen sollte. Um das zu verhindern, haben sie mit Wahlboykott gedroht. Die örtliche Verwaltung sowie das beteiligte Unternehmen wollen ihre Vorwürfe prüfen.

Auch in der Region Tajmyr wird mit Wahlboykott gedroht, falls keine Fischfangquoten für die indigenen Bewohner ausgeben werden, das teilt Aleksej Bolin, ein indigener Aktivist mit. Immer noch gäbe es keinen einzigen Ort, an dem die indigenen Fischer angeln könnten, so Bolin. Für sie sei das Angeln kein Sport, sondern überlebensnotwendig. Daher sollten die Behörden so schnell wie möglich Fischfangquoten ausgeben. Sollte dies nicht geschehen, werde zum Wahlboykott aufgerufen.

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