Zur Präsidentschaftswahl im Jemen

Am 21. Februar 2012 wurde der bisherige Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi zum neuen jemenitischen Präsidenten gewählt. Er war bei dieser Wahl der einzige Kandidat.
Nach Angaben der Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bei 65%, 99% der Wähler sprachen sich für Hadi als neuen Präsidenten aus. Bei der Zeremonie zur Machtübergabe Hadis nahm auch der Expräsident Saleh teil. Die Opposition boykotierte diese Zeremonie, da die die Teilnahme Salehs ein Zeichen sei, dass es keinen demokratischen Neuanfang im Land gebe.
Hadi sei nicht von Salehs Gnaden, sondern durch eine demokratische Wahl ins Amt gekommen, so die Opposition. Saleh sagte während seiner Rede bei der Zeremonie: „Ich gebe das Banner der Revolution, der Freiheit, der Sicherheit und der Stabilität in zuverlässige Hände“.
Zur Wahl kam es, weil es im Jemen im Zuge des „arabischen Frühlings“ zu Protesten gegen den sei 1978 regierenden Präsidenten Saleh gekommen ist. Ein weiterer Auslöser war, dass Saleh die Verfassung zu seinen Gunsten ändern wollte, sodass ihm die Präsidentschaft aus Lebenszeit zustehe. Während der Proteste im letzten Jahr kam es zu gewaltsamen Kämpfen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften des Staates. Mehr als 860 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch im Vorfeld der Wahl kam es zu kämpfen, da viele Oppositionelle nicht damit einverstanden sind, dass Saleh und seine Familie Straffreiheit erhalten haben.
Die Terrororganisation Al-Qaida ist im Jemen, besonders im Süden, sehr stark. Ende Mai 2011 gelang es 300 Kämpfern der Terrororganisation die südjemenitische Stadt Sindschibar einzunehmen. Anfang dieses Jahres nahm Al-Qaida die Stadt Rada ein. Teile des Südens befinden sich faktisch in der Hand der radikal sunnitischen Terrororganisation.
Einen Tag nach der Vereidigung Hadis verübte Al-Qaida einen Terroranschlag im Süden des Landes mit 26 Toten.
Die großen Parteien des Landes einigten sich im Vorfeld der Wahl auf Sadi als einzigen Kandidaten um eine Eskalation der Gewalt während eines Wahlkampfes zu verhindern. Sadi ist als Übergangspräsident gewählt. Sadis Aufgabe wird es sein eine Verfassungsreform einzuleiten, außerdem will er sich im Kampf gegen den Terrorismus einsetzen. Nach Ende seiner kurzen, zweijährigen, Amtszeit sollen Neuwahlen sowohl des Präsidenten als auch des Parlaments stattfinden.
Während die Wahl im Norden des Landes ruhig verlief und die Menschen ihre Stimme abgeben konnten kam es im Süden des Landes zu Gewaltsamen Zusammenstößen. Die Separatisten der südjemenitischen Al-Herak Bewegung riefen zum Boykott der Wahl auf und blockierten Wahllokale, sodass keine Stimmabgabe möglich war. Auch die Al-Qaida rief zum Boykott auf und ging gegen die Stimmabgabe vor. In mehr als der Hälfte der Wahllokale war die Stimmabgabe unmöglich. Al-Herak setzt sich für eine erneute Teilung des Jemens ein, da die Vereinigung in ihren Augen mehr als „Vereinahmung“ verstanden wird. Die Wahl Hadis festige diese Besetzung nur, so die Separatisten.
Auch im Norden konnten nicht alle Wahllokale geöffnet werden, da die schiitische Houthi-Miliz viele Wahllokale in Saada blockierte. 2004-2010 kämpfe die Huthi-Miliz einen blutigen Kampf gegen die Sicherheitskräfte des größtenteils sunnitischen Landes. Die Huthi gehören der religiösen Richtung der Zaiditen, einem Zweig des schiitischen Islams an.
Der Jemen ist durch seine Wüstenlage sehr wasserarm und hat kaum landwirtschaftlich nutzbare Flächen. Dies schlägt sich auf die Lebenssituation der Menschen nieder. Große Armut ist verbreitet. Dem ehemaligen Präsidenten Saleh wird die prekäre Situation mit zur Last gelegt. Die Bildungssituation auf dem Land ist sehr schlecht, Gesundheitliche Fürsorge ist kaum existent. Viele Jemeniten leben aufgrund der wirtschaftliche Lage in Armut. Die instabile politische Situation erschwert die wirtschaftliche Lage des Landes. Die Bevölkerung des Jemens ist vor allem durch Stammesstrukturen geprägt die neben dem Staat existieren und viel Einfluss im täglichen Leben haben.
Neben den beiden großen Muslimischen Konfessionen gibt es noch kleine christliche und jüdische Minderheiten im Land, deren Lage sich in den letzten Jahren zuspitze. Viele Juden verließen das Land in Richtung Israel, sodass es nur noch wenige Angehörige dieser Religion im Land gibt. Über das ganze Land verstreut leben etwa 30.000 Christen, deren Religionsfreiheit nicht sichergestellt ist. In Aden an der Küste lebt eine sehr kleine Gemeinschaft Hindus.
Etwa 2-5% der Jeminiten gehören der Gruppe der Al-Akhdam an. Diese Minderheit sind religiöse Muslime, sprechen Arabisch gehören aber keinem der Stämme im Land an. Sie sind keine Araber und haben ihre Wurzeln vermutlich in Äthiopien. Übersetzt heißt Akhdam „Diener“. Durch eine angebliche Minderwertigkeit gegenüber der arabischen Mehrheitsbevölkerung sind sie Diskriminierungen ausgesetzt und leben in großer Armut.
Durch den Politikwechsel im Land wird sich ihre Position im Staat vermutlich nicht verbessern.

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