Größter Wüstensee der Erde gefährdet

Größter Wüstensee der Erde gefährdet

Friends of Lake Turkana setzen sich für den Schutz der gefährdeten Natur und Völker ein

 by DanKo

Berlin, 15. März 2012

Seit einiger Zeit werden die internationalen Proteste gegen den Bau des GIBE III Staudamms am Omo-Fluss in Äthiopien lauter. Nachdem zuletzt das UNESCO Weltkulturerbe Komitee äußerste Bedenken gegenüber dem Bau des Staudamms äußerte und unter anderem den sofortigen Baustopp von der äthiopischen Regierung forderte, schloss sich eine Gruppe kenianischer Parlamentarier mit der Forderung an, die Bauarbeiten liegen zu lassen, bis zur Klärung der Folgen auf das einmalige Ökosystem des Turkanasees durch unabhänige Studien. Seit Kurzem spricht sich nun auch das kenianische Parliamentary Committee for Energy gegen GIBE III aus und bestärkt die Wichtigkeit eines Antrags im kenianischen Parlament, der den Stopp aller Bauprojekte am Omo-Fluss, insbesondere des GIBE III Staudamms, fordert. Des Weiteren hat das Parliamentary Committee for Energy einen entsprechenden Brief an das Implementation Committee geschrieben, in dem es um Unterstützung bittet.

Der Turkanasee ist der größte Wüstensee der Erde, der für seine einzigartige Landschaft und sein besonderes Ökosystem bekannt ist. Sowohl der Turkanasee, als auch das gesamte Lower Omo Valley, in dem etwa 200.000 Menschen leben, wurde als UNESCO Weltkulturerbe ausgerufen. Insbesondere für die indigenen Völkern der Turkanaregion – Elmolo, Rendille, Samburu, Turkana, Dassanech, Ariaal und Gabra –  stellt der See die Hauptexistenzgrundlage dar (ca. 300.000 Menschen). Denn die genannten Volksgruppen leben von der Fischerei, dem Ackerbau oder von Viehherden.

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Loiyangalani, Nordkenia, August 2011, Foto: DanKo             CC-BY-NC-ND

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Loiyangalani, Nordkenia, August 2011, Foto: DanKo             CC-BY-NC-ND

Die Folgen GIBE III auf das Ökosystem des Turkanasees – der Omo ist mit 80% der wichtigste Zufluss – sind kaum einzuschätzen: es wird davon ausgegangen, dass der Wasserstand um bis zu zwanzig Meter fallen könnte und dadurch der See versalzen würde. Obwohl der See momentan schon leicht salzig ist, kann er als Trinkwasserquelle noch genutzt werden. Sollte GIBE III gebaut werden, dürfte dies wohl nicht mehr der Fall sein. Auch dürften die Folgen für die sich dem See angepassten Tier-  und Pflanzenwelten (Nilkrokodile, Nilpferde und Schlangen) verheerend sein. Mit Pestiziden und Dünger verseuchte Abwässer geplanter Farmen am Ufer des Omo-Flusses auf äthiopischer Seite würden in den See gelangen und die Umwelt weiter belasten.

Schon jetzt hat die Region mit den Folgen des Klimawandels – ausbleibende Regenzeiten, immer häufiger wiederkehrende Dürreperioden und in Folge dessen Hungerskatastrophen – stark zu kämpfen. Eine Studie der African Resources Working Group (ARWG) geht davon aus, dass neben den oben schon genannten Folgen wie Versalzung und Wasserpegelfall, wirtschaftliche Grundlagen der indigenen Völker durch den Bau GIBE III zerstört werden, grenzüberschreitende Probleme in Äthiopien, Kenia und Südsudan erzeugt und eine nachhaltige Entwicklung der Region behindert werden würde.

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Loiyangalani, Nordkenia, August 2011, Foto: DanKo             CC-BY-NC-ND

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Lake Turkana nahe Loiyangalani, August 2011, Foto: DanKo  CC-BY-NC-ND

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Turkanaregion, nahe Loiyangalani, August 2011, Foto: DanKo  CC-BY-NC-ND

Trotz aller Proteste hält die äthiopische Regierung weiterhin an ihrer zerstörerischen Politik fest und nimmt die Vertreibung und Gefährdung großer Volks- und Tiergruppen in Kauf. Der dann größte Staudamm Afrikas soll helfen die nationale Energiekrise in den Griff zu bekommen und der nationalen Wirtschaft aufhelfen. Der äthiopische Minister für Energie und Wasser, Alemayehu Tegenu, gibt gegenüber Al Jazeera an, dass die gesamte Bevölkerung von dem Projekt profitieren wird. Auch Kenia wird laut einem Bericht der Daily Nation (Kenia) durch den Power Purchase Agreement profitieren – 400 MW wird es jährlich durch GIBE III importieren können.

Hinter all diesen Bemühungen zum Erhalt und Schutz der Turkanaregion steckt die kenianische NGO Friends of Lake Turkana (FOLT) mit Sitz in Nairobi. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen setzt sie sich seit Beginn gegen die Pläne der äthiopischen Regierung ein, erarbeitet Studien, informiert die kenianische Öffentlichkeit und Politik und klärt die örtlichen Gemeinschaften über ihre Recht auf. Darüber hinaus setzt sie sich aktiv dafür ein, dass die betroffenen Gemeinden aktiv in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden.

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Lake Turkana nahe Loiyangalani, August 2011, Foto: DanKo  CC-BY-NC-ND

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Lake Turkana nahe Loiyangalani, August 2011, Foto: DanKo  CC-BY-NC-ND

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Lake Turkana nahe Loiyangalani, August 2011, Foto: DanKo  CC-BY-NC-ND

FOLT bezeichnet sich selbst als unabhängig von religiösen und politischen Institutionen und verschreibt sich dem friedlichen Protest. Weder Spendenbeträge von politischen Parteien, noch irgendwelchen anderen Spender_Innen, welche die Unabhängigkeit von FOLT gefährden könnten, werden akzeptiert.

Petition gegen GIBE III: http://www.stopgibe3.org/index.php

Homepage: http://friendsoflaketurkana.org

Facebook: http://www.facebook.com/FoLTurkana

 

 

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