Die Bildungsreform in der Türkei – Ein Erfolg der Gülen-Bewegung?

Die Gülen-Bewegung ist eine vom türkischen, im Exil lebenden, muslimischen Prediger Fethullah Gülen ausgehende Richtung des Islam. Gülen gilt als Vater des türkischen Islamismus. Seit 1998 lebt er in den USA, da er in der Türkei stark unter Druck geriet. Die Gülen-Bewegung betreibt in der Türkei mehrere Stiftungen sowie ein Medienimperium mit der regierungsnahen und auflagenstärksten Zeitung Zaman und mehreren Fernsehsendern. Auch zahlreiche Privatuniversitäten, mehr als 200 Privatschulen, sowie 1.000 „Lichthäuser“ für den Religionsunterricht finden sich unter dem Dach der Stiftungen. Sämtliche Eliten des Landes samt der AKP werden von Anhängern der Gülen-Bewegung dominiert. Etwa 10-15% der türkischen Bevölkerung sollen der Bewegung angehören.
Offiziell predigt Gülen und seine Bewegung einen liberalen, offenen Islam. Viele Kritiker werfen der Bewegung aber vor, einen politischen Islam zu vertreten, die Gesellschaft unterwandern zu wollen und einen Gottesstaat zu errichten. In mehr als 100 Ländern hat die Bewegung mehr als 1000 private Schulen errichtet, mehr als 12 allein in Deutschland, unterstützt auch mit staatlicher Hilfe und staatlichen Mitteln. Daneben gibt es noch etwa 150 Nachhilfestätten im gesamten Bundesgebiet. Vordergründig geht es der Bewegung um Bildung für muslimische Kinder, ohne religiösen Bezug. Im Hintergrund, neben dem Unterricht, in den Privaträumen der Schüler und Lehrer werden Schriften und Veröffentlichungen von Fethullah Gün studiert. Viele der Lehrer, die als normale Pädagogen angestellt sind bekommen von diesen Machenschaften nichts mit. In Deutschland agiert die Bewegung seit den Neunziger Jahren und ist eher unbekannt, da sie keinem deutschemn Dachverband angehören und ihr offenkundiges Ziel nicht der Bau von Moscheen ist (und damit auch nicht in Konkurrent mit bereits bestehenden, liberalen, Islamverbänden tritt).

Im kurdischen Teil der Türkei (beziehungsweise im Irak) gibt es Hunderte dieser Einrichtungen. In Irakisch-Kurdistan sollen es mindestens mindestens 19 sein. dieser Einrichtungen. Ziel ist es, so Kritiker, die kurdische Bevölkerung zu „reislamisieren“.
Der Nahostreferent der GfbV, Kamal Sido sagt, dass die Gülen-Bewegung Rückendeckung der USA erhalte, da sie als Ordnungsfaktor der Region auftrete. Diese Haltung sei ein großer Fehler seitens der USA. Gülen sei viel mehr so etwas wie eine „Graue Eminenz“ hinter der Erdogan Regierung in der Türkei, die (genau wie Gülen) eine schleichende Islamisierung des säkularen des Landes Staates vorantreibt.
Welch Geistes Kind Gülen ist zeigte sich 2011 als er in einer Videobotschaft zur Vernichtung der PKK und ihrer Unterstützer aufrief. Wörtlich sagte er:
„Lokalisiert sie, umzingelt sie (…) zerschlagt ihre Einheiten, lasst Feuer auf ihre Häuser regnen, überzieht ihr Klagegeschrei mit noch mehr Wehgeschrei, schneidet ihnen die Wurzeln ab und macht ihrer Sache ein Ende!“ In Bezug auf die Guerilla forderte Gülen ebenfalls deren Vernichtung durch militärische Übermacht und ergänzte: „Ob 500, ob 5000, lass es 50.000 (gemeint sind die Guerillas) sein, du hast eine Million (gemeint sind Soldaten).“
Vor dem Hintergrund, dass die „PKK-Terroristen“ in der Türkei häufig mit allen Kurden gleich gesetzt werden, sind diese Auslassungen F. Gulen sehr gefährlich.

Mitte März In dieser Woche wurde eine Reform des Bildungssystems in der Türkei beschlossen, die ganz im Sinne der Gülen Bewegung ist. Offiziell wird die Reform als Modernisierung dargestellt. Tatsächlich gibt es einige Moderne Elemente, wie der Heraufsetzung der Jahre mit Schulpflicht (von acht auf zwölf). Auf der anderen Seite wurden die säkularen Regelungen im Aufbau des Unterrichts geschwächt und die Stellungen von Imamschulen gestärkt. So können Eltern ihre Kinder bereits nach der vierten Klasse auf eine Imamschule schicken, bisher war dies erst viel später möglich. Erdogan sprach davon, eine neue religiöse Generation erziehen zu wollen. Veränderungen des Schulsystems in Bezug auf die Religion öffnet Tür und Tor für die Anhänger der Gülen-Bewegung. Viele Imamschulen stehen unter Einfluss der Bewegung.
Durch die Schulen, sowohl durch die privaten Einrichtungen der Bewegung, als auch durch die Reform an staatlichen Schulen fördert eine immer weitergehende Islamisierung der Türkei. Nicht von oben direkt durch die Regierung verordnet, aber von „Unten“, durch das Schulsystem, welches durch die Reform ders Regierung immer mehr in diese Richtung geöffnet wird. Viele türkische Kinder werden somit nach strengeren religiösen Regeln erzogen und haben nur die ersten Jahre Kontakt mit den säkularen Schulsystem der Türkei, in denen ein Kopftuchverbot herrscht und weltliche Wissenschaften wie die Evolutionstheorie gelehrt werden.
Nachdem Erdogan das Militär weitgehend unter seine Konrolle gebracht hat, den Machtkampf mit dem Militär gewinnen konnte hat er jetzt einen Sieg im Bildungssystem des Landes eingefahren.

Text: Lennard Schlöffel

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