Die Drusen und die „syrische Revolte“

Die Drusen in Syrien leben im Südwesten des Landes, im nach ihnen benannten Gebirgszug „Dschebel ad-Duruz“ (Drusengebirge). In diesem Gebiet ist es im Vergleich zu anderen Gebieten des Landes sehr ruhig. Wenn es überhaupt zu Demonstrationen kommt sind diese sehr klein und bleiben durchgehend friedlich. Das heißt aber nicht, dass es keine Drusen in der organisierten Opposition gibt. Im Syrischen Nationalrat und im Nationalen Koordinierungskomitee, den zwei großen Vereinigungen von Gegnern des Regimes sind durchaus Drusen in wichtigen Funktionen vertreten. Auch gibt es drusische Überläufer zur Opposition. Die Proteste unter den Drusen sind klein und nur sporadisch. Getragen werden sie nicht von der breiten Masse der Drusen, sondern nur von wenigen, meist Intellektuellen.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Drusen nicht gegen das Regime von Assad aufbegehren.

Die Drusen sind in ihrer gesamten Geschichte ein Volk, das Opfer von Verfolgungen war. Von sich selber (und auch von Muslimen) werden die Drusen nicht als Muslime angesehen. In ihrer Religion gibt es Aspekte, die nicht mit dem Islam kompatibel sind, beispielsweise der Seelenwanderung. Dies ließ sie in der Geschichte oft Opfer von Verfolgungen werden. Die Drusen entwickelten sich zu einer „Geheimreligion“, deren genauen Praktiken nur Mitgliedern bekannt sind. Aufgrund von Verfolgungen zogen sie in schwer zugängliche Bergregionen, wie dem Drusengebirge in Südsyrien oder ins Chouf-Gebirge im Libanon, wo sie recht abgeschottet leben konnten. Unter der Herrschaft der Baath-Partei konnten die Drusen relativ frei leben, was sie zwar nicht zu glühenden Anhängern Assads werden ließ, aber auch nicht zu ausgesprochenen Gegner seiner Herrschaft. Allerdings sind durch die Armut in der Region und Korruption viele Drusen unzufrieden mit dem Regime. Ein Teil der drusischen Bevölkerung soll, nach Angaben der Oppsition,  in den so genannten Schabiah-Milizen an der Seite Assads um der Armut zu entrinnen, kämpfen. Der Riss, ob man Anhänger oder Gegner des Regimes ist zieht sich dabei teilweise durch die eigene Familie. Viele fürchten, dass aus den politischen Auseinandersetzungen sich religiöse Kämpfe entwickeln, die zuungunsten der drusischen Minderheit sein wird.

Neben diesen politischen Gründen, warum es kaum Proteste in den Drusengebieten, beispielsweise in der Provinzhauptstadt Sweida kommen praktische Probleme. Der Ausgangspunkt der Demonstrationen in anderen Städten waren meist Moscheen, beispielsweise nach dem Freitagsgebet. In Drusengebieten gibt es normalerweise keine Moscheen und es gibt kaum Punkte, an denen sich große Protestmärsche bilden könnten. Kommt es mal zu Protesten ist es ein leichtes für die Sicherheitskräfte diese aufzulösen. Zu gewaltsamen Zusammenstößen kam es bisher nicht. Im übrigen Land wurden die Proteste vor allem von jüngeren, Menschen bis 35, getragen. Aufgrund von Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zogen viele junge Drusen weg aus den angestammten Gebieten der Drusen, sodass diese Bevölkerungsgruppe nur in sehr kleiner Zahl vorhanden ist.

In den letzten Wochen änderte sich aber die Sicht vieler Drusen auf die Proteste, viele sprachen offener und kritisierten das Regime oder unterstützen die Opposition finanziell.

Einer der führenden Drusen, der Libanese Walid Jumblatt stand zu Beginn der Proteste noch hinter Assad. In der libanesischen Politik ist seine Partei, die PSP Mitglied eines pro-Syrischen Parteienbündnisses(Bewegung des 8. März). Er änderte allerdings mit fortschreiten der Geschehnisse im Nachbarland seine Meinung.

Er rief Drusen in Syrien dazu auf sich nicht den Sicherheitsbehörden anzuschließen. Wie bereits erwähnt wurde,  sind durchaus Drusen in den Schabiah-Milizen zu finden, etwa 100 von ihnen ließen während der Kämpfe bereits ihr leben.  Jumblatt kritisierte weiter Russland bzgl. Seines Vetos im UN-Sicherheitsrates, da dies Hilfslieferungen des Westens unmöglich gemacht habe und ist gegen einen militärischen Einmarsch. Im Februar nahm er an einer Kundgebung der Bewegung des 14. Märzes (des pro-westlichen Parteienbündnisses) Teil, die gegen das syrische Regime vorging. „Der syrische Volksaufstand wird siegen“ wird Jumblatt von einem Fernsehsender zitiert.

Jumblatt ist ebenso dafür die Flüchtlinge, die aus Syrien in den Libanon geflohen sind zu unterstützen und ihnen Hilfe zu kommen zu lassen.

Text: Lennard Schlöffel

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