Rezension: Föderalismus als Konfliktregelung

Autor: Stefan Richthammer

„Ethnischer Föderalismus: Fluch oder Segen?“, so beginnt Andreas Heinemann-Grüder sein 2011 im Verlag Barbara Budrich erschienenes Buch „Föderalismus als Konfliktregelung – Indien, Russland, Spanien und Nigeria im Vergleich“. Von dieser Fragestellung ausgehend wird nun auf 322 Seiten erörtert, ob und inwiefern (ethnischer) Föderalismus zur Deeskalation und Verregelung von ethnischen Konflikten in Vielvölkerstaaten beitragen kann. Dabei wird der ethnische Föderalismus nicht als politisches Allheilmittel verstanden und missbraucht, sondern als Teilregime, welches in seiner Funktionsfähigkeit in andere Regimes eingebettet ist, also nur Teil des Ganzen ist und ohne verschiedenste Voraussetzungen nicht funktionieren kann. Diese können beispielsweise Stabilität, Regelhaftigkeit, Inklusivität sowie die Anpassungsfähigkeit ethno-föderaler Arrangements sein.

Im Folgenden werden nun die vier Fallbeispiele (Indien, Russland, Spanien und Nigeria) erörtert. Je Land wird ein oder werden mehrere Konfliktfälle behandelt und beschrieben, welche Möglichkeiten der Ethnoföderalismus hat, diese Konfliktfälle zu lösen bzw. zu entschärfen. So werden die Konfliktfälle recht detailliert beschrieben und im Verlauf werden verschiedene Lösungsansätze und die jeweiligen speziellen Voraussetzungen präsentiert. Im Zuge dessen gelingt Heinemann-Grüder ein Rundumschlag betreffend der jeweiligen politischen wie auch gesellschaftlichen Situationen, die in den ausgewählten Ländern vorherrschen.

Ob ethnischer Föderalismus nun Fluch oder Segen ist, kann letztlich nicht beantwortet werden. Sicher ist jedoch, dass er konstruktive Ideen liefert, wie ethnische Konflikte gewaltfrei gelöst bzw. geschlichtet werden können. Darüber hinaus wird der Leser dazu angeregt, über den Tellerrand hinaus zu blicken und sich selbst ein Bild der Geschehnisse zu machen.

 

Andreas Heinemann-Grüder, welcher Leiter der Akademie für Konflikttransformation im forum ZFD Bonn sowie Privatdozent an der Univerität Bonn im Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie ist, bedient sich in seinem Werk einer komplexen und anspruchsvollen Fachsprache, die für den Laien nicht immer leicht verständlich ist. Besitzt man als Leser jedoch über ausreichend Vor- und Fachwissen, so bietet das vorliegende Buch einen guten und interessanten Überblick über unterschiedliche Szenarien des Ethnoföderalismus in verschiedenen Teilen der Erde. Heinemann-Grüder selbst schreibt allerdings auch, dass die diskutierten Fallbeispiele in keiner Weise das „universelle Spektrum ethno-föderaler Arrangements“ abdecken. Ich empfehle dieses Buch also nicht als Einsteigewerk in die Thematik, für „Branchenkenner“ hingegen kann dieses Buch durchaus sehr informativ und lesenswert sein.

 

Verlag Barbara Budrich, Berlin 2011

ISBN 978-3-86649-420-6

322 Seiten

Preis: 36 Euro

 

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