Zum Tag der Erde am 22. April: Ölförderung aus Teersanden gefährdet das Überleben der Lubicon Cree in Kanada

Umweltminister Röttgen soll Verschärfung der Öl-Importbedingungen in die EU zustimmen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) nimmt den internationalen Tag der Erde (22. April) zum Anlass, um auf die verheerenden Folgen der Gewinnung von Erdöl aus teerhaltigem Sand  für die Lubicon-Cree in der kanadischen Provinz Alberta hinzuweisen. Gleichzeitig appellierte die Menschenrechtsorganisation an Umweltminister Norbert Röttgen, einer Verschärfung der Bedingungen für den Import von Öl in die EU zuzustimmen, um so ein deutliches Zeichen gegen das Fördern von Öl aus Teersand zu setzen.

 „Die Gewinnung von Erdöl aus Teersand auf dem Territorium der Lubicon Cree verursacht massive Umweltschäden und zerstört die Lebensbedingungen der India­ner“, erläuterte Yvonne Bangert, GfbV-Referentin für indigene Völker. „Mit bis zu 2380 Millionen Liter (15 Millionen Barrel) täglich werden dem Athapasca-Fluss für diese Methode der Ölgewinnung nicht nur riesige Mengen Wasser entzogen. Bei dem Verfahren kommen auch Chemikalien zum Einsatz, die das in großen Seen gespeicherte Abwasser der Förderstätten verseu­chen. 2008 verendeten auf einen Schlag mehr als 1.800 Zugvögel, die auf einem solchen See rasten wollten.“ Das traditionelle Gebiet der Lubicon Cree in der Provinz Alberta ist mittlerweile zu fast 70 Prozent an Erdölkonzerne verpachtet. Das Gebiet ist durchsetzt mit rund 2600 Öl- und Gasförderstätten sowie 2400 Kilometer Pipeline. Die Verschmutzung der Umwelt durch Teersanden und häufige Brüche der Pipelines vergiften Land und Gewässer.

Deutschland könnte einen wichtigen Beitrag leisten, diesen Frevel an der Natur und den Lubicon zu beenden, heißt es in einem Schreiben der GfbV an Röttgen. Die EU will durch Ver­schärfung ihrer Kraftstoffqualitätsrichtlinie 2009/30/EG erreichen, dass der Ausstoß von Emissionen bis 2020 um sechs Prozent gesenkt wird und dass Erdölimporteure angeben müssen, ob das Öl aus konventionellen oder unkonventionellen Quellen wie etwa den Teersanden stammt. Unkonventionelle Quellen verursachen einen drei bis fünf Mal höheren Emissionsausstoß als Ölförderung aus herkömmlichen Quellen.

„Die Verschärfung der Richtlinie zu Gunsten der Klimaschutzziele käme also einem faktischen Importverbot von Öl aus unkonventioneller Förderung wie Teersand gleich“, sagte Bangert. „Deshalb fordern wir von Umweltminister Norbert Röttgen, dass er bei der Abstimmung im EU-Umweltrat am 11.06.2012 einer Verschärfung der EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie zustimmt.“

Die Lubicon werden von Kanada bislang nicht als First Nation anerkannt und kämpfen seit Jahrzehnten Anerkennung ihrer Landrechte.  Sie wehren sich gegen die massive Ausweitung der Fördergebiete und neue geplanten Pipelines, so etwa die umstrittene Enbridge Inc. Northern Gateway Pipeline, an der auch ein chinesisches Unternehmen Anrechte erworben hat. Mitbestimmen können sie diese Entwicklung nicht, denn Kanada hat bei der Unterzeichnung der UN-Deklaration über die Rechte Indigener Völker deren Recht auf freie und informierte vorherige Zustimmung bei sie betreffenden Entscheidungen ausdrücklich ausgenommen. Die ILO-Konvention 169 wurde von Kanada nicht ratifiziert.

Die einige Tausend Lubicon werden von Kanada bislang nicht als First Nation aner­kannt und kämpfen seit Jahrzehnten um Anerkennung ihrer Landrechte, gegen die massive Ausweitung der Fördergebiete und neue geplante Pipelines.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s