Brasiliens indigene Völker in Todesgefahr

Parlament in Brasilia verabschiedet neues Waldgesetz

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat mit Bestürzung die Verabschiedung des novellierten Waldgesetzes durch das Unterhaus in Brasilia am heutigen Donnerstag zur Kenntnis genommen. „Dies ist ein schwarzer Tag für die etwa 235 indigenen Völker Brasiliens, denen nun buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, sagte Yvonne Bangert, GfbV-Referentin für indigene Völker. „Jetzt kann nur noch die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef mit ihrem Veto den Wald in Brasilien und die darin lebenden indigenen Gemeinschaften in allerletzter Minute retten. Tut sie es nicht, so wird letztlich eine Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen zur Abholzung freigegeben. Das kommt einem Kniefall vor der mächtigen Agrarlobby gleich und bedeutet eine Amnestie für illegal arbeitende Holzfäller. Angesichts der UNO-Klimakonferenz Rio+20 in Brasilien im Juni 2012 wäre eine Novellierung des Waldgesetzes das falsche Signal für den Klimaschutz. Brasiliens Ansehen in der Welt könnte dadurch ernsthaft Schaden erleiden.“

Das neue Gesetz würde in Brasilien zu einer deutlichen Zunahme der Abholzung im Regenwald führen und damit auch das Überleben vieler indianischer Gemeinschaften gefährden. Der Schutz der Waldgebiete würde zu Gunsten der Agrarindustrie und ihrer Suche nach immer mehr Anbauflächen zum Beispiel für Soja oder Weideflächen für Rinder ausgehöhlt. Einer zunehmenden Entwaldung besonders schutzlos ausgesetzt wären die geschätzt 70 Völker, die in freiwilliger Abgeschiedenheit im Amazonas-Regenwald Brasiliens leben. „Dabei werden sie schon jetzt durch Megaprojekte wie den umstrittenen Belo Monte Staudamm oder illegal von Peru aus im Bundesstaat Acre eindringende Holzfäller vertrieben“, beklagt Bangert, „ohne Land können sie nicht überleben. Krankheiten, von Holzfällern oder Bauarbeitern eingeschleppt, bringen ihnen den Tod, wenn sie den Eindringlingen nicht mehr ausweichen können“. Auch für den Klimaschutz wäre die Novelle ein deutlicher Rückschritt.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Waldbesitzer künftig statt 80 Prozent nur noch 50 Prozent des Waldes auf ihrem Land erhalten müssen. Ein geschützter Streifen von bis zu 100 Metern entlang der Flüsse soll deutlich schmaler werden. Dies verschlechtert dann die Wasserqualität und fördert die Erosion in den Uferbereichen. Darunter werden die Fischbestände leiden, die ihrerseits wichtige Lebensgrundlage für die Indianer sind. Die große Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung lehnt es ab, dass weiter Regenwald abgeholzt wird. Die GfbV hatte zuletzt anlässlich der Eröffnung der CeBIT am 5. März 2012 an Präsidentin Rousseff appelliert, durch ihr Veto zum neuen Waldgesetz ihr Wahlversprechen einzulösen.

Pressemeldung der GfbV vom 26. April 2012

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