„Philippinen – Unterwegs im Land der 7000 Indeln“ (Buchbesprechung)

Die Philippinen sind den meisten Deutschen als Urlaubsort bekannt. Oder als Millionen-Moloch, das von Armut strotzt. Doch wer sich auf Reisen begibt im Land der 7000 Inseln, wird mehr als diese Stereotypen erleben. Einen ersten Eindruck gibt dazu der Spiegel-Koresspondent Thilo Thielke mit seinem bei
Brandes & Apsel erschienenen Buch, das 19,90 Euro kostet.

Nach einem ersten historischen Abriss, der in solchen Bänden wohl obligatorisch ist, berichtet Thielke von aktuellen Problemen, unter anderem der Verklärung der früheren Diktatoren-Ehefrau Marcos. Thielke zeigt in vielen Portraits verschiedene Menschen und Orte, wie vielfältig und teilweise widersprüchlich die Entwicklung des Inselarchipels ist. Gastfreundschaft und eine ausgesprochene Frömmigkeit auf der einen Seite, aber auch Gewalt, Korruption sowie Mord und Totschlag sind hier an der Tagesordnung. Aber auch Philipinos, die nachts in Callcentern arbeiten und mit US-amerikanischen Slang ihren amerikanischen Kunden an deren Tagesablauf diverse Serviceleistungen von Technik über Verbraucherleistungen bis hin zu Sonstigem bedienen. Besonders stark sind die Passagen in Thielkes Band, in denen gezeigt wird, wie sich die Menschen mit den teilweise aberwitzigen Bedingungen arrangieren, wobei insbesondere deren Lebensfreude und Einfallsreichtum herausstechen.

Das schöne an dem Band ist: er will und kann nicht touristische Hinweise geben. Aber Einblicke in Hintergrundinformationen, die notwendig sind, um dieses vielfältige und widersprüchliche Land verstehen zu wollen, gerade im Hinblick auf seine manchmal sehr desaströse Menschenrechtsbilanz. Dank seinem lebendigen und flüssigen Schreibstil vermag Thielke dem Leser auch komplizierte historische Zusammenhänge näherzubringen, wie etwa die Entdeckung der Philippinen durch europäische Seefahrer im 15. Jahrhundert – allen voran Vasco da Gama und Magellan – oder die Ankunft des Islams im Süden des Inselreiches. Ein doch recht nett zu lesendes Buch.

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