Arbeit am umstrittenen Xayaburi-Staudamm in Laos ausgesetzt

Foto: International Rivers

Von Johanna Lal

Nach anhaltenden öffentlichen Protesten hat Laos Anfang des Monats den Bau des hoch umstrittenen Xayaburi-Staudamms am Mekong vorerst gestoppt. Die Proteste gehen hauptsächlich von Umweltaktivisten, Menschenrechtsgruppen und Repräsentanten betroffener Dörfer aus und richten sich vornehmlich gegen die thailändischen Banken, die das Projekt finanzieren sowie die thailändische Firma, die mit dem Bau beauftragt wurde. Kambodscha hat Laos damit gedroht, vor ein internationales Gericht zu ziehen, sollte Laos den Bau des Staudamms nicht stoppen.

Laos hatte Mitte März mit dem Bau des US$3.8 Milliarden teuren Staudamms begonnen; im April verkündete die thailändische Firma Ch. Karnchang, mit der laotischen Firma Xayaburi Power den Vertrag über den Bau des Staudamms abgeschlossen zu haben. Laos hatte damit internationale Proteste ignoriert und eine gemeinsame Einigung der Mitgliedsstaaten der Mekong River Commission (MRC) missachtet, nach der das Projekt ausgesetzt werden sollte, bis ausführliche Untersuchungen über die sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Projektes abgeschlossen wären. Eine Expertengruppe der MRC hatte sogar ein 10-jähriges Moratorium empfohlen. Bisher existieren nur unzureichende oder fehlerhafte Berichte über die Folgen des Staudamms auf Mensch und Umwelt.

Xayaburi befindet sich in einem ländlichen Gebiet, in dem mehrheitlich Angehörige der ethnischen Minderheit der Khmu’ angesiedelt sind. In der unmittelbaren Umgebung der Baustelle wurden bereits 3.000 Menschen umgesiedelt, ohne dass diese im Voraus über das Projekt informiert worden waren. Offiziellen Schätzungen zufolge würde der Staudamm ein 600 km langes Staubecken erzeugen und infolgedessen etwa 88.000 Menschen zur Umsiedlung zwingen. Die Folgen sind jedoch noch weitreichender: Der Staudamm würde die Migration der über 1.000 Fischarten des Mekong blockieren und so flussabwärts zu einer erheblichen Reduktion des Fischbestands führen. Etwa 60 Millionen Menschen in Laos, Thailand, Vietnam und Kambodscha sind direkt oder indirekt vom Fischbestand des Mekong abhängig; für die Bevölkerungsgruppen, die am Flussufer leben, bildet Fisch das Hauptnahrungsmittel und zudem die einzige Proteinquelle. Der Staudamm könnte außerdem einen signifikanten Anteil an Sediment daran hindern, flussabwärts zu landwirtschaftlich genutzten Flächen – allen voran den Reisfeldern – zu gelangen, die auf die Nährstoffe angewiesen sind. Alles in allem würde der Bau des Staudamms die Nahrungsversorgung des Landes in erheblichem Maße gefährden.

Xayaburi bietet den Auftakt zu 11 weiteren Staudämmen, die am unteren Mekong gebaut werden sollen. Daneben plant Laos noch insgesamt 70 weitere Staudämme auf seinen kleineren Flüssen. Das Land hofft, auf diese Weise der Hauptstromerzeuger Südostasiens zu werden. Die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung und die Umwelt wären auch bei den 70 kleineren Staudämmen verheerend.

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