Tschetschenien: 300.000 Euro für sechs Leben

Am 8. April 2004 war Imar-Ali Damaev auf dem Friedhof, sein ältester Sohn war in der Schule. Seine Frau Majdat mit den fünf kleinen Kindern war zu Hause. Da kamen russische Bomber. Imar-Ali rannte zum Haus seiner Familie im tschetschenischen Dorf Rigachoj. Das Haus war praktisch nicht mehr da. Die Leichen der Frau und der fünf Kinder wurden geborgen und nach islamischen Brauch vor Sonnenuntergang beerdigt.

Gestern verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland zu einer Kompensationszahlung von 300.000 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Russland Artikel zwei der Europäischen Menschenrechtscharta (Recht auf Leben) verletzt hat.

Besonders perfide war, dass am 13. August 2004 Beamte der Militärstaatsanwalt das Dorf aufsuchten und erklärten, in dem Haus hätten keine Zivilisten, sondern Kämpfer gelebt. Sie weigerten sich, die Leichen exhumieren zu lassen. Schließlich kam die 2010 ermordete Memorial Mitarbeiterin und Menschenrechtlerin Natalja Estemirova ins Dorf. Sie fotografierte das geöffente Grab und die Opfer. Auf dieser Grundlage entschied nun das Gericht. Vom russischen Staat hatten sie den Fall betreffend auch auf Nachfrage keine Unterlagen erhalten.

Eine Aufarbeitung dieser entsetzlichen Kriegsschrecken in Tschetschenien findet im Moment praktisch nur durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof statt. In Tschetschenien selbst dauern die schweren Menschenrechtsverletzungen an.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s