Sklaverei in Moskau

Am vergangenen Samstag hatte ich die Gelegenheit Swetlana Gannuschkina zu treffen. Sie ist eine der wichtigsten Menschenrechtlerinnen Russlands. Ich möchte hier nur einen der Fälle wiedergeben, über die sie berichtet hat: Zehn Jahr lang wurden 14 Frauen aus Kasachstan und Usbekistan in Moskau in einem Supermarkt als Sklavinnen gehalten. Am 29. Oktober befreiten zwei Aktivisten die Frauen, nachdem sie von einer der Frauen einen Tip bekommen hatten. In der Zeit ihrer Gefangenschaft mussten die Frauen arbeiten und wurden vergewaltigt. Es wurden mehrere Kinder geboren. Zwei der Kinder wurden den Frauen weggenommen, ihr Verbleib ist unbekannt. „Zwei Frauen brachen nach der Befreiung zusammen. Sie sahen Polizisten. Es waren genau die Polizisten, die sie nach einem Fluchtversuch wieder in ihr Gefängnis zurück gebracht hatten. Die Polizisten gehen in den Supermarkt, bekommen dort Alkohol umsonst und Frauen umsonst“, sagte Frau Gannuschkina. Die Sklavenhalter, das Ehepaar Saken Muzdybaev und Dzhan Sulu Istambekova, hat die Polizei nach einer Anhörung wieder auf freien Fuß gesetzt. Für die Frauen ist ihre Odysee nicht zu Ende. Sie könnten angeklagt werden, sich illegal in Russland aufgehalten zu haben. Sie könnten sofort abgeschoben werden, ohne dass das Verbrechen, das gegen sie begangen wurde, überhaupt vor Gericht kommt. Um dies zu verhindern, sind Anwälte von Frau Gannuschkinas Organisation, dem Bürgerkomitee aktiv geworden. Menschen aus Zentralasien werden in der Russischen Förderation massiv diskriminiert. Erst vor wenigen Tagen gab es mehrere Razzien in Moskauer Wohnhäusern. Gannuschkina bezeichnete sie als „antimuslimische Kampagne“. Das Justizsystem sei vollkommen zerrüttet. Tatsächliche Verbrechen, wie das oben beschriebene, würden nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Ermittlungsbehörden treten auf den Plan, um Randgruppen, Migranten, Nordkaukasier und andere Sündenböcke zu verfolgen. Sie erfinden Anklagen, bezahlen Gutachter für Expertisen und die Richter sprechen Haftstrafen aus, die in keinem Verhältnis zu den Anklagen stehen.

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