Russland: Wenn die Naturressourcen wichtiger als die Menschen sind

Alexander Kusnezow

Russische OMON-Spezialeinheiten im Büro der ewenkischen Organisation „Dylatscha“ in Ulan-Ude, die Entführung eines Mitarbeiters, Hinhaltetaktik bei der Suche nach seinem Aufenthaltsort – das sind die neusten schlechten Nachrichten für die indigene Bevölkerung in Russland. „Dylatscha“ ist gelungen, woran viele scheiterten: Die ewenkische Gemeinde verbindet den wirtschaftlichen Erfolg der Nephrit-Förderung mit Projekten zum Kulturerhalt. „Dylatscha“ wendet Gelder aber auch für ganz konkrete Dinge, wie den Bau von Wohnungen und Häusern auf.

Diese erfolgreiche Tätigkeit der Gemeinde ist nun in Gefahr. Im Oktober dieses Jahres wurde eine ganze Operation unter Einbezug der russischen Sicherheitskräfte (OMON) gegen die Gemeinde organisiert. Infolge dieser Operation fanden im Büro der Gemeinde in Ulan-Ude Durchsuchungen statt, mehrere Tonnen von bereits gewonnenem Nephrit wurden abtransportiert. Dabei hat keiner das von der Gemeinde geförderte Mineral markiert und abgewogen. Diese Willkür basierte auf einer offiziellen Beschuldigung, die Gemeinde habe den Nephrit außerhalb des dafür vorgesehenen Grundstücks gefördert. Die Leitung der Gemeinde bestreitet alle Beschuldigungen und verweist auf die Staatslizenz, die bis zum Jahre 2017 die Tätigkeit der Gemeinde sichert. Bei den Durchsuchungen wurden zwei Mitarbeiter der Gemeinde festgenommen, das Schicksal des Einen ist immer noch nicht klar. Laut einer vertraulichen Quelle wird er regelmäßig von den Vertretern der russischen Sicherheitskräfte geschlagen. Er soll Papiere gegen die Leitung der Gemeinde unterschreiben.

Trotz der zahlreichen Versuche der Ewenken, Demonstrationen gegen diese Willkür zu veranstalten, bleibt die Situation und die Zukunft dieser Gemeinde fraglich. Das Volk, das in ganz Russland zerstreut ist und aus etwa 40 000 Menschen besteht, empfindet den Vorfall als Akt der persönlichen Demütigung. Die Ewenken haben volles Vertrauen zu der Leitung der Gemeinde und halten das Vorkommnis für einen Versuch des Staates, die Gemeinde vom Nephrit-Markt „gesetzlich“ zu eliminieren

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