Malaysia: 5 Kilo Reis für eine Stimme

In Malaysia beschuldigt die Oppositionspartei PKR (People’s Justice Party) die Regierungskoalition Barisan Nasional (BN, National Front) im Bundesstaat Perak, Stimmen der indigenen Orang Asli zu kaufen.

Perak, an der Westküste der Halbinsel Malaya gelegen, besitzt mehrere Siedlungen der malaiischen Ureinwohner, die unter dem Begriff Orang Asli zusammengefasst werden. In den Dörfern entlang der Landstraße Jalan Pahang veranstalteten Vertreter der JAKOA (der staatlichen Behörde für die Anliegen der Orang Asli) und Repräsentanten der BN Wahltrainings für die dort lebenden Menschen. Sie simulierten den Gang zur Urne mit nachgebildeten Wahlbögen. Der Prozess wurde von JAKOA- und BN-Vertretern überwacht. Diejenigen, die auf den Wahlbögen die BN angekreuzt haben, erhielten einen 5 Kilo schweren Sack Reis.

Die BN rechtfertigt ihr Handeln mit der hohen Zahl an ungültigen Stimmzetteln bei der letzten Wahl. Sie wolle die Orang Asli lediglich darin schulen, einen Wahlbogen auszufüllen, beteuerte am 27. Dezember 2012 ein Abgeordneter der BN. Einen Tag später bezog die Wahlkommission zum Vorwurf der PKR Stellung. Sie wies den Vorwurf gegen die BN zurück. Das Vorgehen der BN sei als Schulung der Wähler völlig akzeptabel und normal. Die PKR und mehrere unabhängige Medien hingegen sehen das Vorgehen der BN als Verstoß gegen die Sektion 9 des Gesetzes über Wahlvergehen von 1954, die die Einmischung in die freie Ausübung des persönlichen Wahlrechts untersagt. Dennoch werden wohl keine Konsequenzen auf die BN zukommen.

Die Orang Asli machen zwar nicht einmal 0,5 % der Bevölkerung in Malaysia aus, doch bei den nationalen Parlamentschaftswahlen 2013 wird jede Stimme zählen. Bei der letzten Wahl 2008 hat das Parteienbündnis BN seine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit verloren (das war zuvor nur 1969 der Fall). Er wird erwartet, dass die Wahl 2013 sehr knapp ausfallen wird. Was ist da ein Sack Reis für eine Stimme?

Die kleine Nahrungsmittelspende ist in den Orang Asli Dörfern bitter nötig. Circa jeder zweite Orang Asli lebt unter der Armutsgrenze und jeder fünfte Haushalt der Orang Asli leidet sogar unter extremer Armut (Die Armutsquote für ganz Malaysia liegt bei unter 10 %). Die Gründe dafür sind vielfältig.
Kurzfristige Gewinne aus Palmöl- und Kautschukplantagen locken Investoren aus dem In- und Ausland. Die malaysische Regierung, die mit der wirtschaftlichen Liberalisierung (New Economic Policy) seit den 1980er Jahren vor allen am wirtschaftlichen Aufschwung des Landes interessiert ist, bemüht sich, lukrative Rahmenbedingungen für potenzielle Investoren zu schaffen und genügend Land zu Verfügung zu stellen. Hunderte Hektar Wald wurden seitdem gerodet, viele Flüsse und Seen verschmutzt und zahlreiche indigene Dörfer umgesiedelt. Die Orang Asli, die häufig noch von der Jagd, vom Sammeln oder dem Fischfang leben, verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Der kleine Anteil der Bevölkerung, der an den Einnahmen aus den Plantagen beteiligt wird, kann von den geringen Zuwendungen kaum leben. Junge Orang Asli haben es viel schwerer als ihre Altersgenossen im Rest des Landes, Zugang zu Bildung zu bekommen. Der Mangel an Perspektiven hat außerdem zu einer hohen Quote an Schulabbrechern geführt. Mit oder ohne Abschluss: Die meisten bekommen nur schlecht bezahlte Jobs auf Plantagen oder in Fabriken.

Eine Änderung des staatlichen Orang Asli-Politik ist dringend notwenig, um die Bildungschancen und der Orang Asli zu verbessern und die Armut zu verringern.

Orang Asli-Kind, Photo von Phalinn Ooi / Flickr:
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